Neckarstadt-West

Neckarstadt-West Kulturpolitischer Spaziergang durch den Stadtteil mit Bündnis 90/Die Grünen

„Schön wäre eine Künstlerkriegskasse“

Die Neckarstadt-West bietet auf kleinem Raum ein großes kulturelles Angebot. Beim kulturpolitischen Spaziergang des Grünen-Ortsvereins besuchten die Mannheimer Landtagsabgeordnete, Elke Zimmer, und der kulturpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Manfred Kern, zunächst den Kultur-Kiosk am Neumarkt, der seit einem Jahr eine feste Einrichtung ist.

Vorher wurde der Kiosk drei Jahre als Zwischennutzung betrieben, mit Konzerten und Lesungen. „Das kam gut an“, sagte Julian Bender. Heute sei der Kiosk eine Mischung aus Café, das ab 15 Uhr geöffnet ist, und einem Kulturprogramm. Auf die Frage von Kern, wie sich das Ganze finanziere, antwortete Bender: „Zu einem kleinen Teil aus Kulturförderung der Stadt.“ Vieles sei aus eigenen Mitteln finanziert worden. „Der Kiosk ist ein Leuchtturm der Stadtteilkultur“, sagte Bezirksbeirat Markus Sprengler. Doch in der Neckarstadt-West gebe es nicht nur kulturellen Ecken, erfuhren die Politiker, sondern auch einen sozialen Brennpunkt, der sich auch am Neumarkt zeige. „Das ist nicht nur einer von vielen Kulturplätzen, sondern ein Platz, wo das Leben spielt“, sagte der Bezirksbeirat.

Nächste Stationen waren zwei Street Art-Kunstwerke: In der Itzsteinstraße 1-8 („Jump throug Time“ von Street Art-Künstler Waone aus Kiew) und in der Mittelstraße 9 („Untitled“ von 1010 (tenten) aus Hamburg – bekannt für seine dreidimensionalen Löcher). Katharina Tremmel von der Alten Feuerwache, die das Projekt Stadt.Wand.Kunst. zusammen mit der GBG Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft und Montana Cans initiiert hatte, erklärte: „Die beiden Wandbilder sind Teil der 2013 begonnenen und bereits 20 Street Art-Kunstwerke umfassenden Open Urban Art Gallery Mannheim.“ Sie würden dazu nationale und internationale Street Art-Künstler einladen, in verschiedenen Stadtteilen Mannheims großflächige Hausfassaden zu gestalten. Gefördert werde das Projekt durch das Ministerium für Wissenschaft Forschung und Kunst. „Das ist wirklich Kultur unterwegs, die kann man nur sehen, wenn man hier spazieren geht“, sagte Zimmer.

Nächste Station war das COMMUNITYartCENTERmannheim (CaCm). Es wurde im Mai 2012 im Rahmen eines bundesweiten Städtebauförderungsprogramms eröffnet. Die künstlerische Leiterin, Annette Dorothea Weber, erklärte: Das CaCm verstehe sich als „Ort der Begegnung und Zentrum für Dialog- und Veränderungskunst“. Künstler verschiedener Sparten arbeiteten mit künstlerischen Mitteln an aktuellen Themen, wie beispielsweise der geplanten Neugestaltung des Neumarktes, oder Konflikten, die sie in der Stadtgesellschaft wahrnehmen, mit dem Ziel, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, wie Antiziganismus, abzuwehren. Vor allem will man den Zusammenhalt in der Stadt stärken.

Zustimmung zum Sportpark

„Mit ihrer Arbeit treten die Künstler für eine demokratische Kultur der Gleichwertigkeit ein“, so Weber. Auf die Frage, wie sie den Kontakt zu den Menschen herstellen, erwiderte Weber: „Durch Veranstaltungen, wie das Gastmahl, bei dem eine Suppe angeboten wird gegen Gespräche.“ Gefördert werde das CaCm von Open Society Foundations, der Freudenberg Stiftung, der Stadt Mannheim, der BT Spickschen Stiftung und der Heinrich-Vetter-Stiftung.

Am Alten Meßplatz informierten sich die Landespolitiker über „ALTER“, den neuen Sportpark für Kinder und Jugendliche aus der Neckarstadt, initiiert als Zwischennutzung von den Künstlern Philipp Morlock und Philipp Kohl zusammen mit dem Architektenbüro Yala Yala (wir berichteten). Auf die Frage nach der Finanzierung erklärte Philipp Morlock: „Die Stadt und die Mannheimer Projektentwicklungsgesellschaft MWSP sind Kooperationspartner.“ Sozialarbeiter David Frey sei für ein Jahr eingestellt worden, als Ansprechpartner und falls es Probleme gibt. Das meiste im Sportpark hätten sie selber gebaut. Finanziert werde der Sportbetrieb durch den Kioskverkauf. Sie seien nicht gewinnorientiert, sondern hätten den gemeinnützigen Verein Pow e.V. gegründet. „Schön wäre eine Künstlerkriegskasse, aus der Künstler bei größeren Projekten schöpfen können, ohne vorher in Eigenleistung gehen zu müssen“, meinte Morlock.

Für einen „Künstlerpool“, beispielsweise für Material, sprach sich Nadja Peter vom Verein Livekultur aus. Die Mitglieder haben sich auf die Fahne geschrieben, Jazz mit anderen künstlerischen Richtungen zusammenzubringen und in die verschiedenen Stadtteile zu tragen – und zwar zu stadtteilbezogenen Preisen. Respekt zollte Zimmer den Initiatoren von ALTER. Auch der Verein Livekultur sei eine spannende Stadtbeteiligungskultur. „Bei allen künstlerischen Projekten in der Neckarstadt steht Soziales immer im Mittelpunkt“, freute sich die Landtagsabgeordnete.