Neckarstadt-West

Neckarstadt Garagen-Rock-Band Los Tones im Alten Volksbad

Schwüler Tex-Mex-Sound

Archivartikel

Um am Knopf eines Effektgerätes zu drehen, kniete sich Sänger und Gitarrist Bodie Jarman auf der Bühne nieder und erzeugte dadurch ein schallendes Geräusch auf seiner altmodischen E-Gitarre, eine 1957 in den USA gefertigte Danelectro U1. „Ich habe die über das Internet in den Staaten gekauft“, verriet er nach dem Auftritt. Im schummrigen Kellerclub des Alten Volksbades spielte die australische Indie-Rock-Band Los Tones, die sich auf Tournee durch Europa befindet, im Rahmen der Konzertreihe „Brandherd“ – und verbreitete eine psychedelische Underground-Atmosphäre.

Ständig hüpfte der tanzende Gitarrist Rohan Welsh von einem Fuß auf den anderen. Eine ähnliche Bewegungsfreude legte Jarman an den Tag. Ihren Indie-Rock-Sound mit schwülen Tex-Mex-Einflüssen verfremdeten die vier Australier, die einen Abend zuvor in Berlin aufgetreten waren, auf der Bühne mit äußerst viel Hall. Im Alten Volksbad, in dem seit zwei Jahren Live-Konzerte stattfinden, konnten die Garagen-Rocker damit das Publikum zum Tanzen animieren.

Die Lichtshow gestalteten die Musiker, die sich lediglich von einem Scheinwerfer anstrahlen ließen, sparsam und reduziert. Ebenso minimal war das rumpelnde Schlagzeug von Leigh Welsh, der Bruder von Gitarrist Rohan Welsh, mit nur wenigen Trommeln und Becken zusammengebaut. Unter den Hieben von Schlagwerker Leigh Welsh schepperte das große Becken lärmend. Zwischendurch erzeugten die Gitarristen einen fauchenden Sound, gegen Konzertende klang das Quartett aus „Down Under“ gar wie ein fiependes Sci-Fi-Raumschiff. Auf seinem rechten Oberarm trägt Jarman einen grinsenden Totenkopf als Tätowierung, wobei zwischen den Zähnen des Tattoo-Totenschädels ein langer Strohhalm steckt.

Jeden zweiten Samstag

Vorbilder wie Urge Overkill, Tito & Tarantula und The Kinks sind unverkennbar die musikalischen Paten dieser schrammelnden Combo. Zwischen den Takten stieß Jarman schrill-jaulende Kiekser ins Mikrofon, einem Michael Jackson nicht unähnlich, dennoch verfügt der 30-Jährige über eine maskuline Gesangsstimme im Stile britischer Beat-Bands der 1960er Jahre. Wie beschreibt Bodie Jarman seine Heimatstadt Sydney in Bezug auf Popkultur? „Die Musikclubs dort schließen alle. Melbourne, die andere große Stadt in Australien, ist der weitaus bessere Ort für Rockbands, um dort aufzutreten. In Melbourne haben wir mal im Musikclub The Tote gespielt“, schilderte der Sänger.

Jeden zweiten Samstag im Monat spielen im denkmalgeschützten Alten Volksbad (Mittelstraße 42) zwei örtliche Bands in der Reihe „Wo ist zu Hause, Mama?“. Weitere Infos bei Veranstalter Bernhard Kreiter unter Telefon 0621/12 29 78 87 oder im Internet auf www.brandherd.org und per E-Mail über chefkoch@brandherd.org. hfm