Neckarstadt-West

Neckarstadt-West Künstler Manuel Di Rita bemalt ein Haus in der Zehntstraße 1 für das Projekt „Stadt.Wand.Kunst“

Springende Formen

Auf der kurzen Hose von Manuel Di Rita sind unzählige Farbflecken. Seine Hand ist leicht bläulich gefärbt, seine Brille hat zwischen den beiden Gläsern eine Schramme auf dem Gestell. So steht Di Rita auf der Hebebühne des kleinen Krans, der in vor dem Haus in der Zehntstraße 1 geparkt ist. Der Künstler setzt eine Wasserwaage an den Putz, dann zieht er mit einem Pinsel einen weißen Strick über die Wand. Noch ist auf dieser Seite des Hauses nicht zu erkennen, was Di Rita vor hat. Auf der Südseite aber springen schon Ringe aus der Fassade hervor und es scheint, als würden die Fenster in kleinen Erkern vorstehen. Ein beeindruckendes Spiel aus Licht und Schatten.

Star der Szene

Manuel Di Rita alias Peeta bemalt das Haus für das Projektes „Stadt.Wand.Kunst“, in dessen Rahmen bereits seit vielen Jahren Hauswände in Mannheim bemalt werden. „Wir sind ein begehbares Museum. Wir wollen auch Leuten, die sonst keinen Zugang zu moder-ner Kunst haben, die Möglichkeit geben, sie hier zu erleben“, erklärt Sebastian Bader, Projektleiter der Alten Feuerwache. Bisher sind mehr als 20 Gemälde, sogenannte Murals entstanden, bei einigen wurden die Häuser jedoch wieder abgerissen.

Bei dem Haus in der Zehntstraße war die Besitzerin auf die Feuerwachen zugekommen und hat es für ein Gemälde zur Verfügung gestellt. Für Künstler Peeta ein Glücksfall: „Ich mochte das Gebäude schon am Anfang“, sagt er auf Englisch mit einem leichten italienischen Akzent: „Aber ich wusste ja, dass ich darauf malen würde“, schiebt er hinterher. Peeta kommt aus Venedig. Der 38-Jährige ist ein kleiner Star der Straßenkunst-Szene, hat bereits in Australien und Japan gemalt: „Schon in den 1990er Jahren habe ich Graffitis gemacht, und auch da war der Stil schon ähnlich wie hier.“ Sprich: Große Formen und ein ausgeprägtes Spiel zwischen Licht und Schatten. So entsteht ein 3D-Effekt und der Betrachter hat das Gefühl, das Haus strecke sich ihm entgegen. Genau das ist es, was Peeta erreichen möchte: „Ich wollte mit der Architektur interagieren. Das Haus war grau und blau, das wollte ich aufnehmen, Aber ich wollte dem Haus neue Formen geben, es origineller machen.“ Man merkt, dass Peeta nicht nur Häuser bemalt, sondern auch leidenschaftlich gern Statuen baut. Diese beiden Kunstformen verbinde er gern, so sagt er: „Skulpturen sind die Inspiration für meine Wandmalereien.“

Die Bewohner hätten ihn zunächst kritisch beäugt und nicht verstanden, was er da male. „Aber als dann immer mehr Licht und Schatten kam, haben sie es verstanden und waren sehr interessiert.“ Und vor allem ältere Leute, die vorbei kommen, würden häufig Fragen zu seiner Arbeit stellen, erklärt Peeta.

Die Planungen für das großformatige Kunstwerk hat er vor etwa einem Monat begonnen. Er sah sich die Wand an, machte erste Skizzen und formulierte eine Idee im Kopf, wie das Haus später aussehen könnte. Die hat er dann in ein Computersystem übertragen und das Werk digital erstellt. Jetzt an der Wand muss er das nur noch finalisieren: „Ich führe an der Wand nur noch aus“, erklärt er. Deshalb sitzt neben ihm auf der Bühne auch seine Partnerin Maria Larissa Handiani mit einem Laptop. Auf dem Gerät ist gespeichert, wo Manuel Di Rita seinen nächsten Strich setzen muss.

Haus in Hongkong

Wie viele Murals er schon gemalt hat, weiß Di Rita nicht: „40 bis 50 sind es vielleicht“, sein Lieblings-werk ist ein großes Haus in Hong-kong. In Mannheim macht ihm vor allem die Hitze zu schaffen. Die Farbe trocknet schnell, da kann er in den Mittagsstunden nichts machen. Dennoch soll sein Werk schon bald fertig sein - und das begehbare Museum Mannheim um einen Ausstellungsraum erweitern.