Neckarstadt-West

Neckarstadt Stadtteiltreffen zum Thema Verdrängung / Nächster Termin am Freitag

Verzweifelte Menschen beklagen hohe Mieten

Die Angst, wegen der immer weiter steigenden Mieten aus dem Stadtteil verdrängt zu werden, sei groß, klagt der erste Offene Stadtteiltreff in der Neckarstadt an. Wer kann sich die Miete nach einer Sanierung seiner Wohnung noch leisten? Diese Frage wurden bei dem Treffen der Initiativen „FairMieten“ und „Wem gehört die Stadt?“ (WGDS) im Bürgerhaus Neckarstadt-West diskutiert. Über allem stand das Thema: Wem gehört die Neckarstadt?

„Es gibt in Neckarstadt-Ost und Neckarstadt-West zwar noch Wohnungen zu fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter kalt“, berichtete Karlheinz Paskuda von der Mieterpartei. Durch Verdrängung von Altmietern und bei Neuvermietung zu circa elf bis 14 Euro pro Quadratmeter kalt seien aber im Viertel durch die „ortsüblichen Vergleichsmiete“ auch die Bestandsmieten gestiegen.

Wem gehört die Stadt? Das soll laut Diskussion die vielleicht wichtigste soziale Frage dieser Zeit sein. Die Politik versuche seit Jahren, eine Antwort darauf zu finden – bislang ohne Erfolg, so Karlheinz Paskuda. Die zaghaften Interventionen der Regierenden stoppten nicht den „Raubzug der Immobilienwirtschaft“. „Die Verdrängung ist zum Geschäftsmodell geworden“, sagte Ursula Jochim von FairMieten. Beispielsweise habe ein Frankfurter Immobilien-Investor komplette Häuser in der Uhland- und Max-Joseph-Straße durch Räumungsklagen, Baustellenmobbing und eklatante Mieterhöhungen nach Luxussanierung „entmietet“. Eine Mannheimer Baugenossenschaft habe zudem in der Uhland-/Ecke Verschaffelt- und Lenaustraße 48 Wohnungen modernisiert und danach die Miete um 38 bis 50 Prozent erhöht. In der Kobellstraße hätten die noch verbliebenen Mieter fast zwei Jahre hinter einer Plane leben müssen.

Rechte oft nicht bekannt

Jeder könne inzwischen Geschichten aus dem privaten Umfeld erzählen, zählt sie auf: Von Kollegen, die nach der „Sanierung“ ihrer Wohnung und dem folgenden Mietaufschlag an den Stadtrand weichen müssen. Von Rentnern, die nach Jahrzehnten aus ihrem Haus gedrängt wurden, damit ihre Wohnung teurer vermietet werden könnten. Mieten stiegen viel schneller als Einkommen. Es seien Geschichten, die schon lange nicht mehr nur den unteren Rand der Gesellschaft spiegeln. „Wir haben nichts gegen Modernisierung, das Problem ist die Vertreibung der Menschen aus ihren Stadtteilen“, sagte Ben Köhl (WGDS).

Die Menschen würden oft ihre Rechte nicht kennen, hätten keine Rechtsschutzversicherung oder Geld, um sich gegen Mietwucher oder Räumungsklagen zu wehren. Vor allem Menschen mit Migrationshintergrund ließen sich trotz bestehender Mietverträge sehr schnell aus ihren Wohnungen vertreiben. Die Initiativen FairMieten und WGDS engagieren sich gegen Mietwucher, Vertreibung von Altmietern und die Zerstörung von bezahlbarem Wohnraum. Sie wollen die betroffenen Mieter schützen und haben eine E-Mail-Adresse eingerichtet: mietnotruf@web.de.

Die nächste Diskussionsrunde des „Offenen Stadtteiltreff Neckarstadt“ ist am Freitag, 13. Juli, 19 Uhr, im Bürgerhaus Neckarstadt-West, Lutherstraße 15-17, erstes Obergeschoss. Wieder organisieren dies die Initiativen FairMieten und WGDS. Alle Bürger und Interessierte sind eingeladen, gemeinsam zu besprechen, was gegen Verdrängung der Menschen aus dem Viertel und gegen Immobilienhaie getan werden kann.