Neckarstadt-West

Neckarstadt Szenisch-musikalische Lesung mit Monika-Margret Steger und Björn Klumpp bei „Kultur am Neckar“

Wasser als poetisches Element

Archivartikel

Ein Fluss, ein See, ein Schwimmbad und ein paar Tränen - die Sommernachtslesung „Please believe me the river told me“ stand ganz im Zeichen des Wassers. Was könnte besser zu einer Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Kultur am Neckar“ passen?

Monika-Margret Steger und Björn Klumpp gestalteten ein buntes Programm mit Texten und Musik. „Wir haben uns über unterschiedliche Gewässer und Flüssigkeiten Gedanken gemacht“, begrüßte Steger die zahlreichen Besucher, die auf der Steintreppe hinter dem Einraumhaus am Alten Messplatz saßen. Gleichsam amüsant wie anspruchsvoll gelang den Künstlern ein kurzweiliger Abend mit Humor und nachdenklichen Zwischentönen.

Die Darsteller agierten äußerst lebendig. Mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik trug Steger die Texte vor und sang mit klarer Stimme. Klumpp übernahm gekonnt die musikalische Begleitung auf der Gitarre. Dabei kam bei den Zuhörern keine Sekunde Langeweile auf. Die vielfältige Auswahl und die überraschenden Einschübe sorgten für Abwechslung. Eine ausgesprochen realistische Erzählung über Kinder auf Fischjagd reihte sich an die Zen-Geschichte „Geh’ zum Fluss und hole mir eine Tasse Wasser“. Bei der poetischen Beschreibung einer Überschwemmung „hatte der Fluss den Alltag außer Kraft gesetzt“ und es verbreitete sich eine besinnliche Stimmung. Bald darauf ertönte ein lautes Blöken, als die Darsteller die Fabel „Das Lamm und der Wolf“ mit Tierstimmen untermalten.

Heiteres und Kritisches

Als echte Theaterprofis kannten Steger und Klumpp Tricks „damit uns das Publikum wohlgesonnen ist“. Während das russische „Kleine Wässerchen“ in Form von einigen Flaschen Wodka die Runde machte, versetzte Steger die Besucher in einen meditativen Flow: „Alles fließt und wenn Sie das jetzt nicht spüren, trinken Sie einfach noch einen Wodka“, riet sie.

Ein Leseabend zum Thema Wasser kommt ohne die Bücher des Schriftstellers John von Düffel nicht aus. Über Wasser könne man schwer sprechen, eigentlich müsse man es fühlen, meinte Steger. Im Gegensatz zu Sprache sei „Wasser eine einzige große Unterschiedslosigkeit“ zitierte sie aus Düffels „Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen“. Auch die Episode über zwei Schwimmer, die im Becken zu Gegner werden, entnahm sie einem Essay des gleichen Autors.

Neben heiteren Texten gab es auch Gesellschaftskritisches. Mit dem bissig-ironischen Song „Das Boot ist voll“ der Band „The Incredible Herrengedeck“ machten die beiden einen musikalischen Vorschlag, wie sich die Herrschaftsverhältnisse umkehren ließen. Rein statistisch weine eine Frau 64 Mal im Jahr, berichtete Steger. Sie selbst vergieße allerdings weit häufiger Tränen, musste sie zugeben. Gründe dafür gäbe es genug, sogar so viele, dass sie „dieser scheißlatenten Traurigkeit“ ein Lied widmete.

Durch alle Stilrichtungen

Für die Schauspielerin blieb es nicht beim rein literarischen Gespür für Wasser. Konnte sie sich anfangs bei der „Taufnummer“ noch erfolgreich gegen das Nasswerden wehren, ließ ihr Kollege sie am Ende des Abends als „Prinzessin auf der Erbse“ buchstäblich im Regen stehen.

Musikalisch bewegte sich das Duo durch alle Stilrichtungen. Neil Youngs „Down by the river“ passte ebenso zum Thema wie Dalidas „Am Tag als der Regen kam“. „As time goes by“ von den Rolling Stones zupfte Steger auf der Ukulele und Klumpp griff zur Trompete. Das von den Zuschauern im Kanon gesungene Volkslied „Abendstille überall“ beendete einen unterhaltsamen Abend, der sowohl dem Publikum als auch den Künstlern sichtlich Spaß machte.