Neue Alben

Achterbahn mit der Antilopen Gang

Archivartikel

Hip–Hop: Vierte Platte „Abbruch Abbruch“

Die Fähigkeit, sich zwischen alle Stile und Stühle zu setzen, hat die Antilopen Gang so weit perfektioniert, dass das Düsseldorfer Punk/Rap-Trio 2017 mit dem großartigen „Anarchie und Alltag“ ein waschechtes Nummer-eins-Album gelandet hat. Darauf findet sich mit „Pizza“ zu allem Überfluss auch noch ein von Festivalmassen heiß geliebter Indie-Hit. So viel Erfolg hat Nebenwirkungen: Ruhm, Geld – und im Fall von Koljah (Kolja Podkowik), Panik Panzer (Tobias Pongratz) und Danger Dan (Daniel Pongratz) offenbar ein Identitätsproblem.

Provokation für alle

Daran lassen die angehenden Mittdreißiger den Hörer auf ihrem vierten Album „Abbruch Abbruch“ ausgiebig teilhaben – in Form einer emotionalen Achterbahnfahrt, bei der sie gegen so ziemlich alles und jeden auskeilen. Inklusive Publikumsbeschimpfung: „Und wenn ihr nicht so dumm wärt, wär’ ,Pizza’ kein Hit“, heißt es etwa im besten Song, der Tote-Hosen-Hommage „Wünsch Dir nix“. Im Rundumschlag „Smauldo“ wirkt das erstmal fast nervtötend larmoyant, aber irgendwann auch anregend irritierend. Ähnlich ist es mit zum Teil schon Deutschpop-reifen Refrains, teilweise geigenumflort (!) und voller Die-Prinzen-Harmonik. Verdienstvoll sind die Sexualisierungskritik in „Bang Bang“ und die Polemik „Lied gegen Kiffer“. Letztere insofern, weil man über die intoleranten Reaktionen aus der Cannabis-Fangemeinde nur staunen kann. Da kommen die weiter verbesserten Beats und starke Nummern wie „Keine Party“, „Zentrum des Bösen“ oder „Abraxas“. Der Status als ewige Außenseiter wird so weiter zerbröseln, das Identitätsproblem größer – der Erfolg aber auch. (JKP/Warner) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★

 

(Muntermacher) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

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