Neue Alben

Anleitung zum Andersmachen

Deutsch-Pop: Johannes Oerding lässt auf „Konturen“ eine Botschaft hören

Pars pro Toto – ein Teil steht für das Ganze: Das funktioniert bei Johannes Oerding nicht. So lässt „An guten Tagen“, fröhlicher Vorbote seiner sechsten Platte, lange nicht erahnen, wie feinsinnig gestrickt das Album tatsächlich ist. Der 37-Jährige beherrscht den Radio-Sound ebenso wie die intime Ballade. Das macht seine Musik zu einem Pop-Potpourri, das, statt einer Linie zu folgen, lieber die Eigenwilligkeit feiert. „Mein roter Faden ist eben nicht rot, er ist bunt“, sagt er selbst. Das Talent für süffige Melodien kennt man von ihm, das Eintauchen in die eigene Verletzlichkeit, auch den Hang zur Metaphorik in den Texten, die trotzdem nicht nervig gefühlig daherkommen. Neu ist, dass Oerding gesellschaftskritische Töne anschlägt. „Ich will mich nicht mehr anpassen“, heißt es in „Anfassen“, das von Hass und Hetze im Netz und gesellschaftlicher Verrohung erzählt. Und Oerding macht die Dinge anders – deshalb singt er mit Freundin Ina Müller auch kein Liebesduett, sondern in „Ich hab dich nicht mehr zu verlieren“ über eine Trennung. Und in „Benjamin Button“ nicht über das Jungbleiben oder das Älterwerden, sondern von dem Dazwischen: vom Leben und dem, was wirklich zählt.

Und irgendwo dazwischen hört man dann die Botschaft ganz laut. In „Besser als jetzt“ ist sie in Zeilen gepackt: „Ein bisschen Verstand, ’ne kleine Prise Herz, ein Schuss klare Kante, ’ne Ecke mehr Mut … Komm, wir machen’s besser als jetzt“. (Sony Music) ble

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ ★

 

(Megamäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

Zum Thema