Neue Alben

Brodelnde Angst in Tönen

Progressive Metal: Tool beenden 13 Jahre Albumpause spektakulär mit „Fear Inoculum“ – nicht mehr, nicht weniger

Für viele ist „Fear Inoculum“ schon jetzt das beste Rockalbum des Jahrhunderts. Mindestens. Dagegen kritisieren nicht wenige, dass die Progressive-Metal-Innovatoren Tool nach 13 Jahren Albumpause die Musikwelt darauf nicht mit kaum auszählbaren Taktfolgen und nie erwarteten Klangkreationen aus den Angeln heben. Wer die Erwartungen in der Mitte ansiedelt, kann mit der fünften Studioplatte des Quartetts aus Los Angeles hochanregende 87 Minuten erleben. Über Jahre.

Ein absolutes Novum für eine Band mit Millionengefolgschaft gibt es aber doch: „Fear Inoculum“ ist physisch nur als Box erschienen, mehr als 80 Euro teuer. Die enthält neben der CD u.a. einen winzigen HD-Bildschirm mit exklusivem Videomaterial, einen Zwei-Watt-Lautsprecher und ein 36-seitiges Booklet. Diese limitierte Ausgabe ist kaum noch erhältlich. Dafür gibt es das Werk der lange Streaming-abstinenten Band auf Spotify, Apple Music und Co.

Tatsächlich startet „Fear Inoculum“ mit dem Titelsong sehr unerwartet, fast afrikanisch. Rhythmisch erinnert der Song aber schnell massiv an das 23 Jahre alte „Forty Six & 2“. Generell bleibt der Sound typisch, die Gitarrenarbeit war aber schon markanter, Härte wird dosierter eingesetzt. Das macht die zehn bis zu 15:43 Minuten langen Lieder mit apokalyptischen Stakkato-Texten nicht weniger intensiv. Das Epos „7empest“ ragt heraus – würde aber auf jedes Tool-Album passen. Die einzigen vier Nummern (deutlich) unter zehn Minuten sind die radikalsten (drei davon fehlen übrigens aus Kapazitätsgründen auf der CD): Elektronische Klanglabore kennt man von Tool bisher eher als Zwischenspiel. Ihr „Chocolate Chip Trip“ hat etwas vom Krautrock der ganz frühen Kraftwerk – oder gar von Guru Guru! (Sony) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ ★

 

(Megamäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)