Neue Alben

„Ciao!“ heißt nicht nur Tschüss

Indie-Rock: Die Wiener Band Wanda findet auf ihrem dritten Album wieder zu alter Klasse

Deutschsprachige Popmusik klingt nur noch in Ausnahmefällen nach Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll. Die „Pop-Poeten“, die das Radio dominieren, verbreiten eher einen Geist von Yoga, Globuli und grünem Tee. Und dann enttäuschte eine der wenigen Bands, die gegen diesen Gesundheitsstrom schwimmen, 2017 mit ihrem dritten Album die zuvor geschürten Hoffnungen auf eine deftige Rock-Alternative maßlos. „Niente“ von Wanda war leider gar nichts.

Läppischer Beginn

Damit stehen die Wiener trotz zwei gefeierter Platten wie „Amore“ (2014) und „Bussi“ (2015) wieder fast am Scheideweg. Und schon bei den ersten Zeilen des Openers „Ciao Baby“ fürchtet man, dass sie sich weiter Richtung Belanglosigkeit bewegen: „Manchmal denk’ ich alles schwer / Manchmal lach’ ich umso mehr“ – läppischer geht’s kaum. Außerdem schwer nachvollziehbar: Warum lässt der zum Exzess neigende Sänger Marco Michael Wanda (unvergessen der Stromschlag, der ihm im März 2017 im Mannheimer Maimarktclub nach diversen Bierduschen niederstreckte) dabei seine Stimme so glatt und hoch produzieren? Das Demo- und Live-Material der Deluxe-Ausgabe zeigt, wie viel kerniger der Kerl klingen kann.

Die zweite Nummer „Nach Hause gehen“ klingt mit ihrem geslappten Bass allzu sehr nach Neuer Deutscher Welle – aber vom mäßigen Anfang darf man sich nicht abschrecken lassen. Denn ab „S.O.S.“ fahren Wanda – nicht ohne Selbstzitate – alles auf, was sie attraktiv macht: unwiderstehliche Mitsing-Refrains mit Glam-Faktor („Nix reparieren“), die musikalische Großspurigkeit von Britpop-Beatles-Adepten à la Oasis, krachige Indie-Spielereien und eine politische Unkorrektheit, wie man sie aus Klassikern wie der Stones-Nummer „Under My Thumb“ kennt („Ein schneller Tod“).

Dafür, dass der Frontmann Frauen in Alt-Macho-Manier ständig Baby nennt, werden sich irgendwo auf der Welt Protestierende finden. Egal, Wanda verdienen Artenschutz. Weil sie zeigen, dass „Ciao!“ nicht nur als Abschiedsformel funktioniert. (Vertigo) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ 

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

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