Neue Alben

Die richtige Abbiegung genommen

Archivartikel

Rock: Elbow gehen mit dem achten Album „Giants Of All Sizes“ den richtigen Weg und werden komplexer, düsterer, tiefer

Also das gelingt nicht so oft. Eine Band, die schon einigen (auch finanziellen) Erfolg hatte, geht in sich, gräbt, vertieft, wird komplexer und düsterer, offenbart neue klangliche und psychologische Maserungen, wird also im besten Wortsinn vielschichtiger. Genau das ist Elbow mit ihrem achten Studioalbum „Giants Of All Sizes“ gelungen. Zudem wird das Quartett aus Manchester thematisch breiter, geht auf religiöse, soziale und politische Fragestellungen ein, ohne allzu konkret oder gar plakativ zu werden. Texter und Sänger Guy Garvey nennt es denn auch „ein wütendes, altes blaues Lamento, das seine Rettung in der Familie, bei Freunden, in der Band und einem neuen Leben“ findet.

Gleich im ersten Song „Dexter und Sinister“ (rechts und links) lassen Elbow es richtig krachen: Nach einem 37-sekündigen Sci-Fi-Anschwellen legt das erste Bass-Gitarren-Riff los. Roh. Reißend. Krude. Von den Drums eher archaisch konterkariert. Dann der erste Satz: „And I don’t know Jesus anymore“. Das reißt ein Panorama an Themen auf, an Bildern und Gedanken, das immer wieder – wie surreal – durch den Break einer Soundwall unterbrochen wird, die wie ein Laserschwert in den Rock hineinschlägt. In der Folge wird allerlei verhandelt, tiefe persönliche Verluste, Ungerechtigkeiten, Teilung und seltsame Verhaltensweisen. In Großbritannien und auf der ganzen Welt. Ein Wir-kommen-um-zu-beklagen-Duktus. Abwechslungsreich führen Elbow durch die neun Songs. „Seven Veils“ klingt sphärischer, ruhiger, „Empires“ ist ein melancholisches Panorama mit Beatles-artiger Bridge und „White Noise White Heat“ ein tanzbarer, schwerer Beat, der an Monsterrhythmen Peter Gabriels erinnert.

Kein Song wie der andere

Alles ist da. Bestes Songwriting. Tolle Lyrik. Kein Song ist wie der andere. Rock mischt sich in seinen progressiven, mitunter ein wenig an Radiohead erinnernden Nuancen mit fetzigen Pop-Schnipseln, und Garveys Gesang trägt im schönsten Britisch in seiner schwerschleimigen, fast doppelten Stimmfärbung die Schwere der verhandelten Dinge in sich. Ein großartiges Album. Das beste? (Polydor) dms

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ ★

 

(Megamäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

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