Neue Alben

Die üblichen Obsessionen des Till Lindemann

Archivartikel

Rock: Der Rammstein-Sänger arbeitet auf „F & M“ zum zweiten Mal mit dem schwedischen Metaller Peter Tägtgren

Ohne Rammstein veröffentlicht Till Lindemann in schnellerer Reihenfolge: Nur vier Jahre nach dem mit Gold und Platz eins der Albumcharts veredelten Debüt des Duo-Projekts Lindemann mit dem schwedischen Metal-Stars Peter Tägtgren (Pain, Hypocrisy) namens „Skills in Pills“, erscheint „F & M“. Der Titel steht für Frau und Mann und behandelt die üblichen Obsessionen des nicht mehr ganz so jungen L – in der Regel entsteht in seinen Texten aus eigenen Seelenqualen des lyrischen Ichs unselige Mixturen aus Zuneigung, Angst Sex- und Gewaltexzessen.

Aber der Grundton ist wie so oft urdeutsch (obwohl Lindemann hier weitgehend auf sein vieldiskutiertes rollendes R verzichtet). Denn fünf der elf Lieder (etwa die Ballade „Schlaf ein“) hat das Duo im Geist der Märchen der Brüder Grimm für das im April 2018 am Thalia Theater uraufgeführte Stück Hänsel & Gretel geschrieben. Wie Kristof van Boven als Hänsel gemästet wird, sieht auf der Hamburger Bühne aus wie ein klassisches Rammstein-Video und wird im rasend schnellen Song „Allesfresser“ kongenial verarbeitet.

Anders als auf dem Vorgänger sind alle Texte deutschsprachig und die ersten Nummern gehen sofort ins Ohr. Vieles, vor allem der Opener klingt dank peitschend Retro-Keyboards wie eine Proto-Form der frühen Rammstein – etwa die Sisters Of Mercy. Die Fetisch-Nummer „Knebel“ könnte anfangs fast von Folk-Altmeister Hannes Wader stammen, bevor es metallisch eskaliert. Das fast schon Dancefloor-affine „Platz eins“ dürfte eine selbsterfüllende Prophezeiung werden. (Vertigo) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ ★

 

(Megamäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

Zum Thema