Neue Alben

Die Unbeschwertheit ist zurück

Punkrock: Green Days großartige neue Platte „Father Of All Motherfuckers“ klingt frisch und inspiriert

30 Jahre sind im modernen Rockgeschäft eine Zeitspanne biblischen Ausmaßes. Green Day haben drei Dekaden überlebt und sind zu einer der letzten großen Gitarren-Bands gewachsen, die in unseren Tagen übrig geblieben sind. Sie sind senkrecht an die Spitze geschossen (mit ihrer jugendlichen Hitfabrik „Dookie“, 1994) , haben auf ihrem zwölf Millionen Mal verkauften Meisterwerk das klassische Punk-Korsett für eine überragende Rock-Oper abgestreift („American Idiot“, 2004) und den universell anerkannten Abgesang auf die Ära Bush geschrieben („21st Century Breakdown“, 2009).

Beweisen müssen sich Billie Joe Armstrong (Gesang, Gitarre), Mike Dirnt (Schlagzeug) und Jason White (Bass) im Jahr 2020 also nichts mehr. Stattdessen wählen sie die naheliegende und überaus erfreuliche Variante – sie veröffentlichen einfach ein knackiges, formidables 13. Album, das frisch und inspiriert klingt. „Unser Anspruch an uns selbst ist es immer, Musik zu machen, die anders ist, neu, interessant. Ich finde das elementar, wenn man so lange in einer Band spielt wie wir“, sagt Armstrong,

Aus vorliegenden 16 Songs fanden zehn Stücke letztlich den Weg auf „Father Of All Motherfuckers“ – kein weiteres Konzeptalbum, sondern eine Rückbesinnung auf die eigenen Stärken. So viel Unbeschwertheit war im Green-Day-Kosmos schon lange nicht mehr. Indie, Soul, Punk, Rock ’n’ Roll – alles geht, und alles steht ihnen gut zu Gesicht. Das furiose „Meet Me On The Roof“ hat das Zeug zum Rock-Hit des Jahres, im ebenso starken Titelsong kommen die Kalifornier den Black Keys so nahe wie noch nie zuvor. Wirklich neu ist das alles natürlich nicht, aber die Veranstaltung läuft auf einem in diesem Genre zurzeit unerreichten Niveau ab. „Stab You in Me Heart“ hört sich an wie eine gelungene Beatles-Adaption mit Green-Day-Drive, „Sugar Youth“ wirkt wie eine Erinnerungspille an die Zeiten des „One, Two, Three“-Punks. Simpel, aber verdammt gut. Wer nach 30 Jahren noch so ein Album im Köcher hat, kann sich glücklich schätzen. (Reprise, Warner) alex

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ ★

 

(Megamäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

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