Neue Alben

Entspannte, positive Vibrationen

Archivartikel

Dancehall: Nach sieben Jahren Albumpause liefern Seeed mit „Bam Bam“ alles, was das Fan-Herz begehrt

Die zehn Böller mit brennender Lunte auf dem Albumcover und der Titel „Bam Bam“ signalisieren mehr explosive Partystimmung, als Seeed auf ihrer fünften Studioplatte abliefern. Aber das war ein Jahr nach dem Tod ihres dritten Frontmanns Demba Nabé alias Ear alias Boundzound und in diesen lauten Zeiten auch nicht anders zu erwarten. Aber auch ohne ihr drittes E bleiben die nunmehr zehn Musiker um Pierre Baigorry alias Enuff (am Besten bekannt als Peter Fox) und Frank A. Dellé (Eased) unverkennbar Seeed.

Die elf neuen Songs sind voll mit positiven Vibrationen, die der Berliner Spielart des Reggae-Genres Dancehall seit mehr als 20 Jahren eigen sind. Mit starken Ausnahmen wie „Geld“ oder „Love Courvoisier“ sind Party-Intensität oder Radio-Hitqualität nicht das Hauptziel der Band. Das hat sie auch nicht nötig, denn die Hörerschaft ist nicht nur wegen der langen Wartezeit heiß genug auf diese Platte, um sich die Zeit für die Finessen und Zwischentöne zu nehmen. Wie schon beim Vorgänger „Seeed“ geht die Tendenz zum entspannten Geschichtenerzählen aus dem Privatleben. Gut die Hälfte der Lieder handelt vom kleinen Glück im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis – dessen sinnlichste Aspekte (die „Ding“-Fortsetzung „Lass das Licht an“) und Schattenseiten („Lass sie gehen“). Peter Fox’ kantiger Berliner Mutterwitz veredelt die Krawall-Beziehungsnummer „Sie ist geladen“ zum Glanzlicht. Dabei ist der starke Gastbeitrag von Ex-SXTN-Rapperin Nura ist Teil eines Trends. Mit ihr, Deichkind, Salsa 359 und Trettmann sind erstmals im größeren Stil Gäste auf einem Seeed-Album zu hören. Neben den wie immer klangprägenden Krauts war auch der langjährige Mannheimer Daniel Stoyanov (Malky) am Produktionsprozess beteiligt. Die Gäste fügen sich erstaunlich nahtlos ein, genau wie die subtile politische Haltung in „Immer bei Dir“, „Geld“ und vor allem „Komm in mein Haus“.

Das gleicht den Verlust der englischen Stimme Seeeds ein Stück weit aus. Bis auf Nabés posthume Crooner-Ballade „What A Day“ ist „Bam Bam“ das erste rein deutschsprachige Seeed-Werk. (BMG Rights) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ ★

 

(Megamäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

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