Neue Alben

Erinnerung an wilde Zeiten

Rock: Der „Rock ’n’ Roll Circus“ der Rolling Stones von 1968 wiederveröffentlicht

Es war ein legendäres Projekt: der „Rock And Roll Circus“, den die Rolling Stones im Dezember 1968 für eine TV-Produktion mit Gästen wie The Who, Taj Mahal und Jethro Tull aufnahmen – und dann nicht veröffentlichten. Erst 1996 erschien der Mitschnitt; jetzt liegt das Material neu remastert und mit Bonusmaterial vor, auch auf DVD und LP.

Mick Jagger war 1968 enttäuscht von der etwas rustikalen Darbietung seiner Band, die gegenüber The Who, nach einer US-Tour in Topform, merklich abfiel. Die Stones hatten seit 20 Monaten nicht mehr live gespielt und ihr Gitarrist Brian Jones war nur noch ein Drogen-Wrack.

Aber sie traten gerade in ihr goldenes Zeitalter (1968-1972) ein. Beim „Circus“ spielten sie Stücke wie „Jumpin’ Jack Flash“ oder „Sympathy For The Devil“, erfüllt von schroffer, rauer Energie. Jagger brillierte mit dunkler, obsessiver Kraft. Jones, der 1969 starb, gab mit einem todtraurigen Solo („No Expectations“) seine bewegende Abschiedsvorstellung.

Trotzdem war der „Circus“ kein Glanzpunkt in der Rolling-Stones-Karriere. Doch es gab ja noch die Allstar-Truppe Dirty Mac mit John Lennon, Yoko Ono, Eric Clapton, Keith Richards und Jimi-Hendrix-Drummer Mitch Mitchell. Die präsentierte eine krachende Version von „Yer Blues“ und eine wilde Ono-Schrei-Orgie. Ein historischer Auftritt.

Das Bonusmaterial (Titel von Taj Mahal, Dirty Mac und Klassik-Pianist Julius Katchen) ist allerdings nicht berauschend. Dafür lohnt die DVD: Sie dokumentiert trefflich den ausschweifenden Zeitgeist von 1968. (Universal) gespi