Neue Alben

Frische Form von Retro-Rock

Archivartikel

Rock: Jack White und Brendan Benson legen mit „Help Us Stranger“ das dritte und stärkste Raconteurs-Album vor

Nach elf Jahren hat man kaum noch an ein drittes Album der All-Star-Band The Raconteurs geglaubt – zumal ihr prominentester Kopf, Ex-White-Stripes-Frontmann Jack White, solo, mit den grandiosen Rockern The Dead Weather und weiteren Kooperationen gut ausgelastet schien. Und der Sound des 2005 in Detroit gegründeten Quartetts immer etwas unentschieden anmutete – was den Grad an Härte, Pop-Zugänglichkeit oder Retro- und Bluesrock-Affinität angeht.

Kompromisslos

Das kann man ihrem neuen Album „Help Us Stranger“ nun nicht mehr nachsagen: Es hantiert zwar immer noch mit allen genannten Stilen und fügt noch zwei, drei dazu, wirkt aber trotzdem kohärenter und kompromissloser. White und sein Co-Frontmann Brendan Benson arbeiten sich lustvoll an der Rock-Geschichte ab und schrecken dabei weder vor Queen-artigen Chören noch vor der Entdeckung einer druckvoll brodelnden Langsamkeit im Donovan-Song „Hey Gyp (Dig the Slowness)“ zurück.

„Help Me Stranger“ beginnt dagegen mit einem Country-Schluchzen wie aus einer lange verschütteten Hank-Williams-Aufnahme, dann springt die Nadel massiv, aber mit Absicht, denn der kleine Hallo-wach-Effekt ist auch auf Digitalformaten zu hören – dann gibt es eine Breitseite mit Jack Whites roh gleißender Gitarre und fast schon Latin-Percussion im Zentrum. Solche Verspieltheiten lassen die zwölf Songs immer wieder überraschend, frisch und abwechslungsreich klingen, wozu auch die anderen Geschichtenerzähler (Raconteurs) beitragen – also Drummer Patrick Keeler, Bassist Jack Lawrence und Dauergast Dean Fertita (Queens Of The Stone Age) am Keyboard. (Third Man) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★

 

(Muntermacher) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)