Neue Alben

Goldene Zwanziger treffen . . . fast alles

Pop: Max Raabes „MTV Unplugged“ wartet mit spektakulären Gästen und leichtfüßigem Palast-Orchester-Sound auf

Erst Mitte Oktober erschien ein „MTV Unplugged“-Album von Santiano, seitdem hat Marius Müller-Westernhagen ein artverwandtes Projekt um sein „Pfefferminz“-Album veröffentlicht, es folgte „Alles ohne Strom“ von den Toten Hosen. Braucht man da trotz Weihnachtsgeschäft wirklich noch eine offizielle „MTV Unplugged“-Platte von Max Raabe und seinem Palast Orchester?

Für die Antwort „definitiv ja“ muss man die CD, LP, DVD oder Blu-ray eigentlich nur kurz inspizieren. Es mag etwas absurd sein, eine ohnehin akustisch angelegte Big-Band-Kappelle in der Tradition der 1920er und 1930er Jahre zu „entstöpseln“. Aber recht hat, was funktioniert. Und dieses Projekt gelingt ziemlich spektakulär, weil Raabes Kunststimme sich ideal für Duette eignet. Dazu ist die Gästeliste für die beiden Konzerte im Spiegelsaal von Clärchens Ballhaus Anfang Mai in Berlin perfekt (und wohl sehr gezielt) kalkuliert und dürfte reihenweise neue Zielgruppen mit dem Stil des 56-Jährigen bekanntmachen. Leas kontrast- und stimmstarke Einlage bei „Guten Tag, liebes Glück“ lockt das Publikum das breite Publikum der Deutschpop-Poeten an, die glanzvoll entspannte Hommage von Samy Deluxe in „Der perfekte Moment ... wird heut verpennt“ die Deutschrapper. Zwei exzellente Einlagen von Poprapperin Namika könnten ihre jungen Fans beeindrucken, während der Auftritt von Lordis monströsem Frontmann Mr. Lordi nicht nur die Metal-Gemeinde leicht verwirren dürfte. Fast sensationell ist der wohl nur am Telefon geprobte Einsatz von Deutschrocker Herbert Grönemeyer, dem Raabe die Ballade „Du weißt nichts von Liebe“ allein überlässt und dessen Klassiker „Mambo“ selten so stilecht in Szene gesetzt wurde.

Orchester überragt

Das wirft ein Schlaglicht auf den wahren Star des Projekts: das Palast Orchester, das alle Gangarten mit verblüffender Leichtigkeit und oft humorvoll meistert – vom Comedian-Harmonists-Hit über Swing-Standards bis „Kein Schwein ruft mich an“, dessen Tempo Polka-Raser Pawel Popolski ausarten lässt. (Universal) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ ★

 

(Megamäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

Zum Thema