Neue Alben

James Blunts Familienalbum

Archivartikel

Pop: Die persönlichen Texte von „Once Upon A Mind“ kommen im Hochglanz-Pop kaum zur Geltung

Bis zur ungewohnt stark auf elektronische Klänge fokussierten Platte „The Afterlove“ (2017) war James Blunt vier Alben lang an Millionenseller gewöhnt. Sein Debüt „Back To Bedlam“ verkaufte sich 2004 sogar fast 15 Millionen Mal. Zahlen, die heutzutage nur für seinen Freund Ed Sheeran und Adele nicht völlig utopisch sind. Trotzdem ist Blunt gut beraten, sich auf seiner sechsten Studioplatte „Once Upon A Mind“ wieder stärker in Richtung seines von Folk und Indie-Pop geprägten Erstlings zurückzuorientieren.

Der war damals zu 90 Prozent von Tom Rothrock (Badly Drawn Boy, Beck, Moby, Elbow u.a.) produziert worden. Neben Blunt fanden sich damals fünf Songwriter-Kollegen unter den Schreibern der zehn Songs, nie mehr als drei pro Lied. Auf dem neuen Werk zeichnen pro Stück bis zu acht Vertreter der üblichen britischen oder US-Hitfabriken wie TMS/Ghosted, The Six, Steve Robson oder Mozella für Sound und Inhalte verantwortlich. Das ist bei internationalem Radio-Pop üblich. Das Problem: Die vielen Köche sorgen hier für übermäßig gut verdaulichen Einheitsbrei und polieren den Sound so lange, bis gar nichts mehr wirklich glänzt. Das ist das Hauptproblem dieser Platte, die an vielen Stellen fast verzweifelt versucht, der Erfolgsformel Ed Sheerans nahe zu kommen. Am deutlichsten bei Songs wie „5 Miles“ oder vor allem „Youngster“, in dem auch noch ein typisches Gotye-Sound-Element mitklingt. Und dessen zentrale Zeile „’Cause I’m not getting any younger / Some new kids tryna steal my thunder“ (Ich werde nicht jünger / Ein paar neue Typen versuchen, mir die Show zu stehlen) der 45-Jährige wohl ungewollt selbstanalytisch formuliert hat.

Oberflächlich, nicht intim

Hörenswerte Ausnahme ist allenfalls das gewagt gesungene „Monsters“, in dem der Brite anrührend über seinen todkranken Vater schreibt. Dass die sehr persönlichen Texte quasi eine Art Familienalbum bilden, geht in dieser – natürlich hochprofessionell – auf Formatradiobedürfnisse getrimmten, geballten Eingängigkeit fast unter. Denn letztlich klingt vieles oberflächlich, nicht intim. (Warner) 

Unsere Note: ★ ★ ★ 

 

(Mittelmäßig) von 6 Sternen

 

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

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