Neue Alben

Punk-Haltung auch bei ruhigen Tönen

Vinyl–Kritik: Iggy Pops 18. Album „Free“

Zehn Jahre ist es her, dass einer der größten Lärmmeister des Punk sich auf „Préliminaires“ die Freiheit für völlig andere Töne nahm. Ganz so leise, chansonnierhaft und innovativ wie 2009 kommt Iggy Pop auf seinem 18. Solo-Studioalbum „Free“ nicht daher. Und bloß weil Leron Thomas mit seiner Trompete, als Komponist und Produzent den Sound vieler Lieder prägt, ergibt das noch keine Jazzplatte. Dafür sind die Rhythmen von Songs wie „Loves Missing“ oder „James Bond“ zu simpel geradeaus geschlagen.

Das ist für die Fans des 72-Jährigen eher eine gute Nachricht. Denn trotz seiner Experimentierfreude mit jazzigen Einsprengseln, Electro-Rhythmen und Novellers avantgardistischer Gitarre bleibt die Haltung des sehnigen Sängers tief im Punk verwurzelt. Und seine Botschaft pro Vernunft und Aufklärung ist in Zeiten erratischer Blondschöpfe an den Schalthebeln der Macht fast schon wieder punkig-revolutionär.

Gegen Ende des Werks wechselt die US-Rockikone zunehmend in Richtung Sprechgesang – und trägt mit immer tieftönenderer Stimme beklemmend aktuelle Gedichte von Dylan Thomas (1914-1953) oder Lou Reed (1942-2013) vor. Das klingt monumental und bewegt, birgt aber wenig Potenzial für den Dauereinsatz. Auf Vinyl kommt der teilweise komplexe Sound deutlich differenzierter zur Geltung. Ansonsten enttäuscht die karge Ausstattung der normalen LP (keine Texte, Credits oder Download-Möglichkeit). Immerhin: Das Albumcover, das auf CD-Größe glatt untergeht, wirkt im großen Format kunstvoll kongenial. (Caroline) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ 

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

 

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