Neue Alben

Schicksal überlagert die Emanzipation

Archivartikel

Vinyl-Kritik: Drei Prince-Platten aus den 1990ern erscheinen erstmals als LP

Sonys Katalogabteilung Legacy Recordings steht vor allen Dingen für Bob Dylans wunderbar aufgearbeitete Bootleg-Serie. Zusammen mit den Nachlassverwaltern von Prince editieren sie nun auch den nicht so verbreiteten Teil des Werks des 2016 verstorbenen Superstars aus Minneapolis. Den Anfang machten im Februar Wiederveröffentlichungen von „Musicology“ (2004) und „3121“ als LP und CD. Jetzt wagen sich die Macher an die – nicht unproblematischen – 1990er Jahre.

Nach seinem bis heute letzten wirklichen Erfolgsalbum „Diamonds And Pearls“ (1991) fühlte sich Prince von seiner Plattenfirma Warner zunehmend geknebelt. Obwohl er zwischendurch einen Rekordvertrag in dreistelliger Millionenhöhe bekam, malte er sich „Slave“ (Sklave) auf die Wange und warf den Master-Besitzern von Warner ein paar recht unverdauliche letzte Alben zur Vertragserfüllung hin.

Darunter das lange vergriffene „Chaos And Disorder“. Das klingt mit 23 Jahren Abstand deutlich besser als sein Ruf, wie eine schnell, aber mit viel Spaß eingespielte Rock-Fingerübung eines Genies, vor allem an der Gitarre. Die Songs erreichen zwar nicht sein Topniveau, trotzdem können viele von dieser Qualität nur träumen.

Ähnlich verhält es sich mit „The Versace Experience“, das 1995 als Kassette bei einer Modenschau in Paris verteilt wurde und lange nur halblegal erhältlich war. Mit starken Songs oder Fragmenten wie „Shhh …“ oder Pussy Control“ ist es mehr als nur ein Werbevehikel für das Folgealbum „Gold Experience“: auf jeden Fall ein Sammlerstück, aber keine ganz vollwertige Prince-Platte.

Meilenstein „Emancipation“

Ein Segen, dass sein erstes auf dem eigenen New-Power-Generation-Label (NPG) veröffentlichtes Album „Emancipation“ wieder erhältlich ist. Es klingt auf sechs LPs noch besser als in der Dreifach-CD-Variante (ein Wunschtraum, den ihm Warner 1987 wegen des zu hohen Ladenpreises bei „Sign O‘The Times“ verwehrte). Auch wenn nicht alle der unter dem unaussprechlichen Symbol-Künstlernamen produzierten Songs die gewohnte Klasse haben, ist das Album der einzige Meilenstein dieser Karrierephase. Auch, weil Prince hier wieder andere Künstler zur Geltung bringt, darunter Kate Bush, und sogar Hits von Kollegen wie „One Of Us“ singt. Auf dem Cover sprengt Prince die Sklavenketten und demonstriert musikalisch seine beneidenswerten Möglichkeiten zwischen Rock, Funk, Rap und Pop. Alles geschrieben mit der Reife des angehenden Familienvaters. Dass der ersehnte Befreiungsschlag vom Tod seines neugeborenen Sohnes überschattet wird, wirkte beim tiefgläubigen Prince lange nach. jpk

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