Neue Alben

Schlecht aufgewärmte Hits

Pop: „Dieter feat. Bohlen“ kann nicht ernst gemeint sein / Dünne Stimme und fehlender neuer Effekt

Er teilt gerne aus – vor allem in Talkshows und der eigenen Casting-Serie. Für seine neue Platte wird er einiges einstecken müssen. „Dieter feat. Bohlen“ vereint 14 alte Lieder aus der Zeit mit Modern Talking, Blue System und DSDS.

Im Herbst startet der 65-Jährige zu einer Solo-Tournee. Angekündigt wird sie vom Meister bescheiden als „Mega-Tournee“. Am 5. Oktober will er auch in Mannheim Station machen. Um nicht mit leeren Händen dazustehen, hatte er ein neues Album angekündigt – das erste seit 16 Jahren. Das hat wohl irgendwie nicht geklappt, dafür kommt nun das „Mega Album“ heraus.

Alle alten Kamellen sollen in aktueller „Dieter-Bohlen“-Variante neu aufgenommen worden sein. Hören wir hinein: Nach einem leidlichen „You’re My Heart, You’re My Soul“ – ohne die Samttöne von Thomas Anders – geht es stimmlich äußerst dünn in „Atlantis Is Calling“ weiter. Und dann wird’s richtig herb: Auf den nächsten Songs klingt Bohlen wie nach drei Whisky – Flaschen, versteht sich, nicht Gläsern.

Die alten Melodien und Texte neu einzuspielen und dabei gleich klingen zu wollen, geht schief. Wenn es wenigstens einen pfiffigen, neuen Effekt gegeben hätte! Man erhofft ihn sich, wird aber enttäuscht. „Brother Louie“ und „Cherie, Cherie Lady“ sind unsterblich, werden noch unzählige kreative Neuinterpretationen erfahren. Dieses Album schlecht aufgewärmter Hits aber bekommt sicher keinen Ehrenplatz in der Popgeschichte.

Warum tut sich einer der erfolgreichsten deutschen Produzenten so etwas an, zumal im beginnenden Rentenalter? Vielleicht ist das der Moment, sich den Albumtitel noch einmal genau anzusehen: „Feat.“ steht ja für „featuring“. Dieter unterstützt und präsentiert demnach Bohlen, also sich selbst. Wen sonst. „Feat“ bedeutet aus dem Englischen übersetzt zudem „ernähren“. Und darum geht es wohl: um Kohle. Die lässt sich mit Trash ja bekanntlich ganz besonders leicht machen. (Sony)