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Schlicht und mit einer Prise Humor

Archivartikel

Pop: Anna Depenbusch gibt sich in „Echtzeit“ unaufgeregt und ehrlich / Zwei Lieder für Physiker geschrieben

Man verliebt sich sofort in sie. In „Frau Rachals“. So nennt Anna Depenbusch ihren hundert Jahre alten Salonflügel. Das Instrument kann jede Menge Geschichten erzählen. Aus den goldenen Zwanzigern auf der Reeperbahn, wo sie das Variété im legendären „Alkazar“ begleitete. Oder aus den 1960ern, wo das Klavier bei einem Ehepaar private Liederabende gestaltete.

Pur, ein wenig ungehobelt, wie ein in die Jahre gekommenes, ehrliches Musikinstrument: Das passt zu den Liedern auf „Echtzeit“. Der Titelsong bezaubert vor allem durch seinen poetischen Refrain, ist ansonsten aber fast ein wenig zu schlicht anmutend. Viel raffinierter dagegen „Eisvogelfrau“. Es ist der Mathematikerin Emmy Noether (1882-1935) gewidmet. Zu Lebzeiten blieb der Wissenschaftlerin die Anerkennung für ihre Forschung versagt – und doch sind diese Erkenntnisse aus der modernen Physik heute nicht mehr wegzudenken. Depenbusch gönnt sich hier auch den einen oder anderen schrägen Ton. Es hat aber wirklich etwas. Für den „geheimnisvollen“ Physik-Nobelpreisträger Wolfgang Pauli (1900-1958) fügt Depenbusch schließlich noch das „Schlaflied für Pauli“ an.

Traurig-schön gelingen sie, die Liebeskummer-Balladen „Nimm mich zurück“ und „Bin dabei“. Eingestreuter Humor mit einer Prise Kabarett wie in „Alte Schule“ sorgen für eine eigene Marke – bei aller Schlichtheit der Kompositionen. Ohne Schnitt und Pause hat die Künstlerin ihre elf „Echtzeit“-Lieder an einem Januartag aufgenommen. Und so klingen sie auch: Als säße Depenbusch bei uns daheim neben dem Sofa. Mit ihrem alten Salonflügel. (Indigo)

Unsere Note: ★ ★ ★ ★  (Muntermacher) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

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