Neue Alben

Urwaldgrüner Reggae-Trip

Archivartikel

Vinyl-Kritik: Der Mannheimer Greeen untermauert mit „Smaragd“ seinen Stellenwert in der Deutsch-Rap-Szene

Streaming-Dienste wie Spotify reichen ihm, physische Tonträger sieht Greeen „auf dem absterbenden Ast“. Deshalb soll sein zweites Studioalbum „Smaragd“ auch das letzte sein, das in einer Form von „Plastikmüll“ wie der CD erscheint, sagte der Mannheimer Rapper im November im Interview mit dieser Zeitung. Dafür klotzt der am 27. April 30 Jahre alt gewordene Neckarauer vor allem in der im Deutsch-Rap unvermeidlichen limitierten CD-Box sehr ordentlich (mit Remix-EP, einer Halskette, Poster und Flagge).

Dienstreise nach Jamaika

Auch die limitierte LP-Ausgabe kann sich dank urwaldgrünem Hippie-Cover und einer transparenten Vinyl-Scheibe in Knallgrün sehen lassen. Hören auch.

Denn obwohl farbige Pressungen und digitale Rap-Produktionen oft die Klangqualität mindern, rollen die Bässe vom Plattenspieler doch deutlich satter durch die Boxen. Das lohnt sich, denn nachdem Greeen alias Pasquale Valentin Denefleh mit dem Wiener Spezial-Label Irievibrations Records und seinen Produzenten arbeitet, klingt der Dancehall-orientierte Reggae-Sound unter seinen Raps noch etwas authentischer und organischer. Zumal Greeen deren Anbindung an Jamaika zu einer Dienstreise an die Wurzeln der Reggae-Kultur nutzen konnte. So wurde „Smaragd“, zwischen Mannheim, Jamaika und Wien geschliffen, zu einer spannenderen Variante des entspannten Dancehall-Rap-Party-Sounds à la RAF Camora und Bonez MC – gegen „Lieg am See“ oder „Freunde“ klingen deren Hits wie hyperaktives Gefasel.

Das klingt insgesamt ausgereifter als das Albumdebüt „Vergessenes Königreich“, das dafür etwas mehr Punch und Tiefe hatte. Wobei: Wenn es um seine Mission geht, Kiffen zu entkriminalisieren, zeigt Greeen raptechnisch und verbal weiter die meiste Durchschlagskraft („Pharmazeug“, „Roll It Up“). Autobiografische Nummern wie „Ab jetzt“ und „8 Jahre“ stechen heraus und haben auf Dauer den höchsten Ohrwurm-Faktor. Und einen Appell zur Selbstliebe wie „Wunderschönes Wesen“ kann jeder mal gebrauchen. (Irievibrations Records) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★

 

(Muntermacher) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)