Neue Alben

Von Fanatikern beflügelt

Rock: „Bridges To Buenos Aires“ verewigt die gute Form der Rolling Stones im Jahr 1998 in Ton und Bild

„Tattoo You“ erschien 1981. Klassisch geworden ist danach keine Platte der Rolling Stones. Auch nicht „Bridges To Babylon“ (1997), obwohl das Album der Band selbst so gut gefiel, dass sie relativ viele neue Songs auf der dazugehörigen Tour ins Programm nahmen. Auf der drittletzten Station am 12. September 1998 auf dem Mannheimer Maimarktgelände waren es stolze fünf. Beim jetzt als „Bridges To Buenos Aires“ veröffentlichten Mitschnitt vom 5. April 1998 im River Plate Stadion vier.

Dass sich dabei nicht nur Gassenhauer aneinanderreihen, macht die 24. (!) Live-Platte der Briten interessant. Denn: Wie viele Versionen von „Satisfaction“ braucht der Mensch? Nun, mit dem wohl größten Hit der Band geht der Spaß hier gleich los – und bringt die Besonderheit des argentinischen Publikums sofort zum Vorschein, von der die Toten Hosen und vor allem AC/DC („Live At River Plate 2009“!) ein Lied singen können.

Rasende Begeisterung

Das sind keine Fans, sondern Fanatiker, die ihre rasende Begeisterung lautstark ins Programm integrieren. Das lassen die mitunter zu nachbesserungsfreudigen Ton-Ingenieure der Stones auch zu. So klingt die Platte (und der Konzertfilm) intensiver als die im Sommer erschienene „Bridges To Bremen“. Mick Jagger, Keith Richards und Ron Wood sind oft spürbar inspiriert von der Atmosphäre, bei der auch neue Songs wie „Saint Of Me“ gefeiert werden. So rollt die Show wuchtig und ziemlich pannenfrei. Kein Wunder, es war das fünfte und letzte Konzert im River Plate. Erstaunlich, dass Bob Dylan bei seinem ansonsten guten Gastspiel in „Like A Rolling Stone“ trotzdem den Einstieg mächtig verpatzt. Die in Versionen von Vinyl bis Blu-ray erhältlichen zwei Stunden profitieren ansonsten vom Schlagzeug-Uhrwerk Charlie Watts, dem glänzend aufgelegten Keyboarder Chuck Leavell und der dosiert auftrumpfenden Background-Sängerlegende Lisa Fischer. (Eagle) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★

 

(Muntermacher) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)

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