Neuostheim / Neuhermsheim

Neuostheim Russisches Gastensemble Lyra singt mit Gesangverein Neuhermsheim 1952

Aus St. Petersburg zu Gast bei guten Freunden

Archivartikel

„Wenn ich in die Runde schaue, sehe ich viele bekannte Gesichter“, freute sich Erste Vorsitzende Edith Nettkau. Fast einen Monat lang war das russische Vokalensemble Lyra in der Schweiz unterwegs gewesen. Auf der Rückreise unternahm der aus dem fernen St. Petersburg stammende Chor jedoch keinen konzertanten Abstecher nach Frankfurt am Main, sondern entschied sich stattdessen, bei seinen Mannheimer Freunden vorbeizuschauen – um mit dem vertrauten Gesangverein Neuhermsheim 1952 in der katholischen St.-Pius-Kirche einen Liederabend zu geben. Hinterher versammelten sich Gastgeber und Gastensemble mit Besuchern bei Häppchen und Getränken im Gemeindesaal unter dem Gotteshaus.

Mit dem geistlichen Stück „Kyrie eleison“ eröffnete der Neuhermsheimer Gesangverein unter Leitung von Dirigentin Lucia Lewczuk den gut besuchten Liederabend. Wie gewohnt begleitete Tochter Patricia Lewczuk am Keyboard. Eine lange Freundschaft verbindet beide Klangkörper. Alle Künstler, sowohl die deutschen als auch die russischen Sängerinnen und Sänger, achteten darauf, in der Kirche St. Pius ein kontrastreiches Programm zu bieten. Später stimmte Tastenfrau Patricia Lewczuk mit ihrem Bruder Adrian den Abendsegen aus der Oper „Hänsel und Gretel“ des Komponisten Engelbert Humperdinck an. Außerdem brachte der gemischte Chor die Nummer „Take My Hand, Precious Lord“ aus dem 19. Jahrhundert zu Gehör. Im Rhythmus zu den Liedern schunkelte das Ensemble andächtig. „Wir machen alle beruflich Musik“, gab Sangesbruder Adrian Lewczuk einen Einblick in seinen Familienstammbaum. Er unterrichtet als Lehrer am Justinus-Kerner-Gymnasium in Weinsberg.

Von Zürich nach Mannheim

Morgens war das Vokalensemble Lyra, das früher häufig kultivierte Mieterkonzerte für die Wohnungsbaugesellschaft GBG gegeben hatte, noch Teil eines Gottesdienstes im 340 Kilometer fernen Zürich gewesen. Am Abend trat der russische Gastchor schließlich unter Leitung von Dirigentin Irina Suchodolova beim Liederabend in der Neuostheimer St.-Pius-Kirche auf. Als Repertoire brachte die Gruppe Lyra geistliche Gesänge aus Russland zwischen Psalmen und Gebeten zu Gehör. „Es gibt keine Orgeln in unseren russischen Kirchen“, klärte Dirigentin und Sopranistin Irina Suchodolova das Mannheimer Publikum auf. Darum habe sich in ihren Gotteshäusern die alte Tradition des A-cappella-Gesangs entwickelt. An den Wänden widerhallend erfüllten die studierten Stimmen die katholische Kirche mit Wohlklang. Mal drängten die dunklen Männerstimmen in den Vordergrund, mal ließen die Herren den weiblichen Stimmen den Vortritt.

Im Tempo waren dabei alle Lieder gemäßigt und anrührend. Manche der Lieder waren in altslawischer Sprache. „Das versteht nicht jeder Russe, wenn er nicht regelmäßig in die Kirche geht“, amüsierte sich Moderatorin Irina Suchodolova.

Später traten die russischen Besucher, nach kurzem Umziehen, in volkstümlichen Trachten, mit roten und blauen Gewändern, nach vorne. „Rot heißt nicht nur kommunistische Partei, sondern auch schön“, informierte Moderatorin Suchodolova die Zuhörer. Als Zugabe sang die Lyra den ebenso in Deutschland populären Titel „Kalinka“, ein sich schrittweise steigerndes und mitreißendes Stück.