Neuostheim / Neuhermsheim

Neuostheim Ökumenischer Gottesdienst zur Weihe der neuen Glocken in St. Pius Gemeinde

„Heavy Metal in der Kirche“

Archivartikel

„Wir wollen es künftig gleich fünf Mal an die große Glocke hängen“, eröffnete Pastoralreferentin Kathrin Grein den ökumenischen Gottesdienst zur Glockenweihe in der vor Menschen fast überquellenden St. Pius Kirche in Neuostheim. „Das sieht man selten – fünf Glocken in einer Kirche“ fuhr Grein fort. Meist würden Glocken ja unsichtbar im Turm läuten. Aber heute gebe es da eine Ausnahme.

Fünf Glocken waren in der Kirche aufgestellt, davon zwei aus der Kirche St. Thomas. Eine, die bisher die Gläubigen von St. Pius gerufen hatte und zwei neu gegossene Glocken aus der Gießerei Bachert, die künftig das Geläut ergänzen würden. „Wir haben also heute echtes Heavy Metal in der Kirche. Das sieht man sehr selten“, sagte die Pastoralreferentin. Die beiden Glocken konnten gegossen werden dank einer großzügigen Spende in Höhe von rund 80 000 Euro.

Die Spende erfolgte durch ein Paar, das auch vor Ort ökumenisch miteinander verbunden ist – und sowohl der evangelischen Thomasgemeinde als auch der katholischen St. Pius Gemeinde angehört. Die Spende ist also ökumenisch. So wie die Gemeinde künftig arbeiten möchte und kommt aus der Mitte der beiden Gemeinden, die in St. Pius gemeinsam wirken. Die beiden Stadtdekane Karl Jung von der katholischen und Ralph Hartmann von der evangelischen Kirche hatten sich bewusst dazu entschieden, das Gotteshaus künftig mit zwei Ökumene-Glocken auszustatten, um so dem gemeinsamen Ursprung des Glaubens Rechnung zu tragen.

Einheit aus fünf Tönen

Da ist zum einen die kleine Taufglocke. Auf der einen Seite stehen die Worte: „Wir sind – wir sind getauft – wir sind getauft in Christus“: Die besondere Bedeutung dieser Worte wird durch die Wiederholungen meditativ betont und verstärkt. Auf der anderen Seite steht das Kreuz als Symbol für Christus auf dem Fels der Kirche in der Brandung der Zeit. Im Kreuz selbst sieht man die abstrahierte Form von Christus. In Form einer Mandorla – also eine Aura rund um eine ganze Figur – legt sich der Text um das Kreuz: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“.

Die Glocke wurde am 21. Dezember 2018 bei der Firma Bachert in Neunkirchen gegossen. Bei der größeren, der Ökumene-Glocke, schwingen sich zwei Bänder – als Symbol für beide christlichen Religionen – um die Glocke und verknüpfen sich zu einem Band. Die Bänder bilden Berührungspunkte und überschneiden sich. Als Zeichen dafür, dass sich die Gemeinschaft im Glauben aufeinander zubewegt. Auf der einen Seite steht auf dem Band: „Wir sind durch ihn n. Joh 17“ . Auf der anderen Seite ist eine Taube zu sehen. Sie stehe für den Frieden in der Welt. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wurde diese Glocke am 15. Dezember 2017 bei der Firma Bachert in Karlsruhe gegossen. Einige Gläubige waren beim Guss extra in die Fächerstadt gefahren, um dieses seltene Ereignis mit zu verfolgen. Die beiden Glocken werden künftig gemeinsam mit den drei alten in der ökumenischen Kirche erklingen.

Die 220 Kilogramm schwere Glocke der St. Pius Kirche stammte von der Kirche in Leuthen in Schlesien. Sie wurde im Jahr 1783 gegossen und im Zweiten Weltkrieg eingezogen. Bei Kriegsende befand sie sich noch in einem Glockenlager in Hamburg. Sie wurde 1954 der St. Peter Kirche zugeteilt, von wo sie in die St.-Pius-Kirche kam. Das Geläut werde künftig die Schnittstelle zwischen dem sakralen und dem profanen Bereich der Gemeinde herstellen. Sie sollen der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass in der Kirche immer der richtige Ton getroffen werden, unterstrich Pfarrer Stefan Scholpp.

Eine solche ökumenische Glockenweihe sei wohl deutschlandweit einmalig, betonte der Pfarrer. Aus fünf Glocken werde künftig eine Einheit in unterschiedlichen Tönen erfolgen. Die Stadtdekane Hartmann und Jung segneten die beiden neuen Glocken und salbten sie mit Chrisam ein. Mit einem Gummihammer schlugen sie die ersten Töne an.

Da in der Kirche auch Gottesdienste im byzantinischen Ritus gefeiert werden, wurde mit Hilfe von Pfarrer Gerhard Schmutz vom Ökumenischen Zentrum Kyrill und Methodius das Glaubensbekenntnis in der Fassung Nizäa-Konstantinopel von den Gläubigen gesprochen. Die Glocken sollen künftig den Tagesablauf gliedern und die Gläubigen zur Kirche rufen, wünschten sich die Pfarrer gemeinsam.