Neuostheim / Neuhermsheim

Neuostheim Investor Gaul zieht sich aus Realisierung zurück

Thomaskirche: Neue Nutzungsidee gesucht

Sie sollte für den Stadtteil ein markanter Begegnungsort werden. Nun gibt Investor Peter Gaul, Geschäftsführer der Thomaskirche Immobilien KG, seinen kompletten Rückzug aus dem Projekt bekannt, teilt die Evangelische Kirche mit. Nun stehe man wieder am Anfang der Überlegungen.

Dekan Ralph Hartmann kündigt in einer Pressemitteilung für März erste Schritte an, um für die seit 2009 geschlossene und seit 2011 denkmalgeschützte Kirche eine neue Nutzung zu finden. „Ich bin enttäuscht über diesen Rückzug“, sagt Dekan Ralph Hartmann: „Wir hatten seinerzeit die Thomaskirche gerne in die Hände von Investor Gaul gegeben, der für dieses Bauwerk eine gemeinschaftsstiftende Nutzung für den Stadtteil und für das Quartier Eastsite realisieren wollte.“ Dass dies nun nicht zustande komme, sei ein „Rückschlag für das Bauwerk, den Stadtteil und seine Bewohner“. Nun gälte es, neue Ideen zu entwickeln.

Keine Baugenehmigung

2016 vereinbarten die Evangelische Kirche und Gaul auf Basis eines Erbbaurechtsvertrags eine Nutzung der Kirche als Veranstaltungs- und Seminarraum mit Catering, Restaurant, Kleikunstbühne und Wohnung, wobei die Räumlichkeiten am Wochenende dem Stadtteil als Treffpunkt zur Verfügung stehen sollte. Die Umsetzungsfrist wurde wegen Denkmal- und Brandschutzthemen verlängert. Im zweiten Halbjahr 2019 zeichnete sich eine weitere Verzögerung ab. Mitte Dezember 2019 gab Gaul den Ausstieg aus dem Vorhaben bekannt. „Wir haben uns vor drei Jahren mit großer Begeisterung auf dieses Projekt gestürzt, haben viel Zeit und Geld in die Planung investiert und wollten noch viel mehr in den Umbau eines sakralen zu einem säkularen Versammlungsraum investieren“, betont Peter Gaul. „Leider mussten wir so lange auf eine Baugenehmigung warten, dass das Projekt mit anderen Projekten und denen unserer Partner kollidiert wäre. Dekan Ralph Hartmann informierte am 11. Februar den Ältestenkreis der Thomasgemeinde über die nun gänzlich geänderte Situation. „Der Ältestenkreis der Thomasgemeinde ist sehr enttäuscht über diese Entscheidung, zumal wir das von Herrn Gaul geplante Konzept für die Nutzung der Thomaskirche als ausgesprochen stimmig für unseren Stadtteil empfunden haben“, äußerte sich Dr. Gerlinde Kammer, Vorsitzende des Ältestenkreises. „Wir hoffen auch weiterhin, dass sich Investoren finden, die diese guten Ideen aufgreifen und verwirklichen.“

Die nächsten Schritte

„Wir wollen die Thomaskirche erhalten und brauchen dafür eine neue Nutzung“, macht Dekan Hartmann deutlich. Im März soll eine Ausschreibung in Erbpacht erfolgen und ein Kuratorium zur Beratung eingerichtet werden, in dem sich Stadtkirchenbezirk und Thomasgemeinde, Stadtteilverein, Denkmalamt und die Stadt Mannheim einbringen können. „Wir planen, im Herbst eine Entscheidung über die Vergabe zu treffen“, stellt Dekan Hartmann in Aussicht.

Im Dezember 2009 machte ein doppelter Wasserschaden die Kirche unbenutzbar. Das Regierungspräsidium Karlsruhe stellte sie 2011 unter Denkmalschutz. Die Thomaskirche ist ein Spätwerk von Christian Schrade. Sie wurde 1949-1950 errichtet und steht auf den Grundmauern des alten Gemeindehauses. Dieses war 1929 erbaut und im April 1945 von der US-Armee gesprengt worden, weil es in der Einflugschneise des benachbarten Flugplatzes lag. 1949 wurde die Thomaskirche auf den Grundmauern als eine einfache Saalkirche mit Satteldach und hellen Außenwänden errichtet.

Seit 2010 hatten evangelischen Gemeindegottesdienste in der benachbarten katholischen Kirche St. Pius stattgefunden. Diese wird inzwischen als Ökumene-Kirche von beiden Konfessionen genutzt (wir berichteten). red/dv