Olympia

Biathlon Laura Dahlmeier holt beim zweiten Rennen in Pyeongchang ihr zweites Olympia-Gold

Das Märchen der „Eisprinzessin“

Pyeongchang.Als die unvermeidliche Frage nach den sechs theoretisch möglichen Olympiasiegen gestellt wurde, antwortete Laura Dahlmeier mit einem Scherz. „Vielleicht sieben?“ Alles scheint in diesen Tagen von Pyeongchang möglich. Speziell, wenn man gesehen hat, mit welcher Souveränität die 24-Jährige im Verfolgungsrennen ihre zweite Goldmedaille perfekt machte. „Laura hat wieder alle überstrahlt“, schwärmte der sonst so ernste Bundestrainer Gerald Hönig mit einem dicken Lächeln auf den Lippen.

Da war das letzte Schießen gerade vorbei und Dahlmeier im Schongang auf dem Weg zum neuerlichen Triumph. Wenig später schnappte sich die „Außerirdische“ in aller Ruhe eine deutsche Fahne. Dann fuhr sie mit einem glücklichen Lächeln ganz langsam über die Ziellinie und zeigte nach oben in den dunklen Nachthimmel: „Das war für alle, die mich unterstützen. Wir sind nicht allein, da ist so viel positive Energie da. Ganz allein hätte ich es nicht geschafft.“ Dahlmeier ist aber zweifellos die Frau, die in diesen Tagen das gesamte deutsche Olympiateam und auch ihre männlichen Biathlon-Kollegen inspiriert.

Beeindruckende Nervenstärke

Das Rennen entschied Dahlmeier mit ihrer klugen Strategie. Nur einen Fehler leistete sie sich beim zweiten Schießen. Anschließend ließ sie sich seelenruhig von der Slowakin Anastasiya Kuzmina überholen, sparte im Windschatten hinter ihr Kraft und sorgte beim dritten Schießen für die Entscheidung. Dahlmeier blieb fehlerfrei, während ihre Konkurrentin zweimal patzte. Hinter der Schießbahn stand Bundesinnenminister Thomas de Maiziere und jubelte wie ein kleiner Junge. Nach dem fehlerfreien letzten Schießen wurde Dahlmeier vom Stadionsprecher wegen ihrer Nervenstärke als „Frau aus Eis“ bezeichnet. Die korrigierte mit einem Grinsen die Wortwahl des Mannes: „Eisprinzessin.“

Wie wahr. Saisonübergreifend hat Dahlmeier jetzt sieben Goldmedaillen bei Großveranstaltungen gewonnen. Den fünf WM-Titeln in Serie in Hochfilzen folgten jetzt zweimal Olympia-Gold – eine einmalige Leistung. Und wie man Dahlmeier kennt, dürfte es nicht das letzte Kapitel ihres Erfolgsmärchens von Pyeongchang gewesen sein. „Ich habe mich nicht so leicht getan heute. Aber ich werde es schaffen, wieder zu regenerieren wie in Hochfilzen.“

Dahlmeier musste der Anstrengung und der Kälte zollen. „Es war ein richtig, richtig hartes Rennen, unfassbar! Meine Finger sind gerade aufgetaut, das waren Schmerzen, schlimmer als in jedem Rennen zuvor. Es war jetzt abartig“, sagte die Partenkirchnerin, die wenig später ihren geplanten Auftritt im ZDF-Studio absagte. „Sie ist einfach komplett hinüber“, erläuterte Stefan Schwarzbach, der Pressesprecher des Deutschen Skiverbandes.

Richtig gefeiert werden die ersten beiden Siege in Südkorea erst nach der Saison, hat die Dominatorin aus Garmisch-Partenkirchen nach ihrem neuerlichen Triumph verkündet: „Schließlich stehen hier aller zwei Tage Rennen an.“ Und es gibt eine Mission: Dahlmeier jagt den Rekord des Norwegers Ole Einar Björndalen, der 2002 in Salt Lake City alle vier möglichen Olympia-Wettbewerbe gewonnen hatte. Inzwischen sind jedoch zwei Gold-Entscheidungen hinzugekommen – Dahlmeier kann also theoretisch sechsmal Gold holen. Oder doch sieben?