Olympia

Nordische Kombination Kai Bracht, Bruder von Triathlet Timo Bracht, ist Mitglied des Trainerteams der Winter-Zweikämpfer

Ein weiter Weg bis zum Katzenbuckel

Pyeongchang.Daheim im Odenwald ist Kai Bracht nur noch ein paar Mal im Jahr. Dann besucht der Erfolgscoach der deutschen Nordischen Kombinierer seine Eltern in Waldbrunn oder Bruder Timo in Eberbach. Der erfolgreiche Triathlet hat seine Karriere im letzten Jahr beendet. Auch Kai Brachts Zeit als Skispringer, der es einst bis in den Weltcup schaffte, ist lange vorbei. Seit 2008 ist der inzwischen 39-Jährige Teil des Trainerteams der deutschen Winterzweikämpfer. Der deutsche Olympia-Fahnenträger Eric Frenzel oder Johannes Rydzek, Deutschlands Sportler des Jahres 2017, hören auch auf sein Kommando. Am Mittwoch greifen die beiden Stars bei der ersten Entscheidung in Pyeongchang nach Olympia-Gold.

Es ist ein langer Weg von Südkorea bis zum Katzenbuckel, wo einst die Ski-Karriere von Kai Bracht begonnen hat. Wie Alpin-Olympiasiegerin Katja Seizinger fuhr er einst als Bub den 626 Meter hohen Berg herunter. Es war sein erster Schritt in den Sport, doch schon bald zog es ihn genau wie Seizinger in wirklich winterliche Gefilde. „Ich bin damals erst nach Oberhof gegangen und wohne inzwischen seit 20 Jahren im Allgäu. Katja ist damals auch frühzeitig weggegangen“, erinnert sich Bracht im Gespräch mit dieser Zeitung. Er ärgert sich darüber, dass das Zertifikat der kleinen Skisprungschanze am Katzenbuckel abgelaufen ist und somit offiziell niemand mehr dort springen darf: „Es schläft langsam ein. Das ist schade.“

Am Anfang nach Willingen

Auch Kai Bracht musste in der Anfangszeit als Skispringer schon die weiten Fahrten in das Weltcup-Mekka von Willingen im Sauerland auf sich nehmen. Inzwischen ist er als Trainer etwa 200 Tage pro Jahr mit dem deutschen Kombinierer-Nationalteam in der ganzen Welt unterwegs. Bracht ist verantwortlich für die Videoanalyse der Springer und die Kraftsteuerung beim Sprungtraining. Außerdem kümmert er sich im Materialbereich um das wichtige Thema Anzüge. Für Olympia hat er für jeden Sportler noch einmal einen maßgeschneiderten Sprunganzug anfertigen lassen, damit auch wirklich alles perfekt passt.

Bracht steht meistens am Schanzentisch, während Bundestrainer Hermann Weinbuch seine Schützlinge vom Hang aus beobachtet. Auf dem Trainerturm steht der mehrmalige Weltmeister Ronny Ackermann, der als Co-Bundestrainer in Sachen Skispringen den Hut auf hat. Die Zusammenarbeit des Trainer-Trios läuft seit vielen Jahren wie geschmiert. Nicht nur wegen der spektakulären Erfolge – im vergangenen Winter gewann Johannes Rydzek bei der WM alle vier Titel und Eric Frenzel holte zum fünften Mal in Serie den Gesamtweltcup – sondern auch wegen des menschlichen Vertrauens. „Zum Glück, wir sind eine echte Einheit! Schließlich schlafe ich mehr Tage mit Ronny in einem Zimmer als mit meiner Ehefrau.“

Die ist auch jetzt in den Tagen von Pyeongchang mit dem vierjährigen Sohn Kimi daheim in Rettenberg im Allgäu, während ihr Mann seinen Beitrag zu Olympia-Gold leisten will. „Ich bin unglaublich froh, dass ich so einen Rückhalt habe. Auch mein Sohn freut sich, wenn er Papa im Fernsehen sieht. Am Anfang hat er noch komisch geguckt, wie ich da reinkomme“, berichtet Bracht. Jetzt muss er Kimi höchstens noch erklären, warum der gerade erst aufsteht, während es beim Papa in Südkorea schon langsam dunkel wird.