Olympia

Wetterprobleme Die äußeren Bedingungen machen Zuschauern und Athleten schwer zu schaffen / Snowboarder klagen

Kalt, böig, trist – und gefährlich

Pyeongchang.Ein eisiger Wind fegt durch die Olympischen Spiele von Pyeongchang. Er drückt die Stimmung unter den ohnehin wenigen Zuschauern auf den Nullpunkt und sorgte am Montag für die Absage des Riesenslaloms mit Goldfavoritin Viktoria Rebensburg. Doch das war bei weitem nicht das Schlimmste: Am Alpinhang riss eine Böe eine Kamera von einem zehn Meter hohen Podest. Verletzt wurde hier niemand, dafür aber beim Snowboard. Die Deutsche Silvia Mittermüller (Bild) zog sich bei einem Sturz im Training für den Slopestyle-Wettbewerb einen Innenmeniskus-Riss zu. Schon am Sonntag hatte sich die australische Snowboarderin Tess Coady das Kreuzband gerissen.

„Mich hat eine Windböe erwischt, dadurch bin ich zu kurz gekommen und voll eingeschlagen“, beschrieb Mittermüller. Sportdirektor Stefan Knirsch übte deutliche Kritik: „Das war heute leider keine Werbung für unseren Sport. Wir müssen gemeinsam mit dem Internationalen Skiverband FIS nach Möglichkeiten suchen, unsere Athleten besser zu schützen.“ Die internationale Elite in dem attraktiven Funsport mit windanfälligen hohen Sprüngen war so richtig sauer. Teilweise war von „lebensgefährlichen Bedingungen“ die Rede.

Immer mehr Athleten schimpfen auch über die Geisterstimmung bei den Wettkämpfen. Als Olympiasieger Arnd Peiffer im Alpensia-Biathlonstadion aufs oberste Siegerpodest stieg, jubelte auf der Tribüne nur eine Hand voll deutscher Fans. Sie sangen „Oh, wie ist das schön“ – doch schön findet dieses Trauerspiel von den Sportlern keiner. „200 Leute sind vielleicht hier. Da kommen beim Training in Oberhof, Ruhpolding und Antholz schon zehn Mal so viele“, grummelt Biathlet Simon Schempp. Teamkollege Benedikt Doll fügt hinzu, dass er vor seinem Olympia-Debüt gar nicht so aufgeregt gewesen sei: „Hier sind zwar überall olympische Ringe, aber ansonsten ist ja nicht viel los.“ Von 25 000 Zuschauern wie bei einem Biathlon-Weltcup in Oberstdorf oder einem Vierschanzentournee-Springen in Garmisch-Partenkirchen kann nur träumen. Das ist auch praktisch ausgeschlossen, weil zum Beispiel die Kapazität im Biathlon-Stadion nur 7500 Fans beträgt.

So spartanisch sind die Zuschauerränge bei allen Schneesportarten in und um Pyeongchang gebaut worden. Erschwert wird die Lage noch dadurch, dass alle nordischen Disziplinen wie von den europäischen TV-Sendern gewünscht in den Abend- und Nachtstunden über die Bühne gehen. Dann fällt das Quecksilber durch den eisigen Wind schnell auf gefühlte minus 20 Grad. „Es waren ja ein paar Leute da, aber die sind zwischendurch wahrscheinlich erfroren“, scherzte Bundestrainer Werner Schuster nach der ersten Skisprung-Entscheidung. Als sein Schützling Andreas Wellinger Olympiasieger wurde, war es 19 Minuten nach Mitternacht und die Tribünen komplett leer.

Ähnlich trist sind auch die Siegerehrungen auf dem Olympic Medal Plaza. Vielleicht 100 Menschen wollten sehen, wie Biathletin Laura Dahlmeier ihr Olympia-Goldüberreicht bekam. „Ich hatte mir das schon ein bisschen anders vorgestellt. Ich hätte gedacht, dass ein bisschen mehr Menschen da sind“, sagte sie danach. 

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