Olympia

Nordische Kombination Fahnenträger Eric Frenzel gewinnt zum zweiten Mal Olympiagold

„Kein normaler Mensch“

Pyeongchang.Eine deutsche Fahne konnte sich Eric Frenzel nicht schnappen, aber wenigstens die letzten Meter zum zweiten Olympia-Gold seiner Karriere „so richtig genießen“. Als erster Nordischer Kombinierer seit 38 Jahren gewann der Fahnenträger des deutschen Olympia-Teams den gleichen Wettbewerb bei zwei aufeinanderfolgenden Winterspielen. Was Bundestrainer Hermann Weinbuch in Pyeongchang zu einem besonderen Lob für den Vater von drei Kindern veranlasste: „Da gibt es nur Superlative. Eric ist im Kopf stark, kann die Kräfte bündeln und dabei trotzdem locker bleiben. Er ist kein normaler Mensch.“

Diese Einschätzung wird durch den sportlichen Verlauf dieses Olympia-Winters unterstrichen. In den letzten Wochen vor dem Saisonhöhepunkt war der Gesamtweltcupsieger der vergangenen fünf Jahre und fünfmalige Weltmeister meist der Weltspitze hinterhergelaufen. Doch dann kramte er eine alte Sprungski-Bindung aus dem erfolgreichen Vorwinter wieder heraus und fand in einem Trainingslager in Oberstdorf kurz vor den Winterspielen seine Sprungform wieder. Außerdem, so Weinbuch, habe man „sehr viel am Kopf gearbeitet“.

Das Selbstvertrauen kehrte zurück und dann war da ja noch Frenzels großer Auftritt bei der Olympia-Eröffnungsfeier: „Ich habe die Euphorie und das positive Gefühl mitgenommen. Und bin jetzt sehr, sehr glücklich.“ Der Job als Fahnenträger war 2014 schon für Maria Höfl-Riesch ein gutes Omen gewesen, die danach ebenfalls Gold gewann.

Günstige Phase auf der Schanze

An einem windigen Tag, an dem der Biathlon-Wettbewerb mit Laura Dahlmeier im nahegelegenen Stadion abgesagt wurde, hatte Frenzel dabei auch die nötige Fortune. Er erwischte auf der Normalschanze im Gegensatz zu vielen anderen Favoriten wie dem viermaligen Weltmeister Johannes Rydzek oder Fabian Rießle eine günstige Phase. Platz fünf war eine gute Ausgangsposition für den nachfolgenden 10-Kilometer-Langlauf. Dort hatte Frenzel nach drei Kilometern den Rückstand zur Spitze aufgeholt und führte fortan meist eine vierköpfige Gruppe an. Als der von Sprungplatz elf heranstürmende Rydzek bis auf gut sechs Sekunden herangekommen war, gab Frenzel Gas. Am letzten Anstieg (Weinbuch: „Eric ist mit Wahnsinnskraft da hochgesprungen.“) hängte er auch noch seinen japanischen Kumpel Akito Watabe ab.

Vorwürfe vom fünftplatzierten Rydzek gab es nicht: „Ich weiß, dass er das nicht absichtlich wegen mir gemacht hat. Er hatte halt seinen Plan im Kopf. Eric hat heute alles überstrahlt. Hut ab!“ Im vergangenen Jahr hatte der Oberstdorfer mit vier WM-Titeln Frenzel noch in den Schatten gestellt und war anschließend zu Deutschlands Sportler des Jahres gewählt worden. An diesem kühlen Mittwochabend im Alpensia-Skizentrum schlug Teamkapitän Frenzel zurück. „Das ist schon etwas sehr Besonderes, dass ich das mit dem Olympiasieg noch mal geschafft habe. Ich habe über die ganzen vier Jahre daran geglaubt.“

Familie drückt die Daumen

Auf den spärlich besetzten Tribünen freuten sich Frau Laura und der große Sohn Philipp wie die Schneekönige mit. „Sie sind auch sehr, sehr froh. Schließlich haben wir gemeinsam daran gearbeitet, dass Olympia gut wird“, sagte Frenzel. Die bei den Großeltern gebliebenen Kinder Leopold und Emma werden sicher ebenso stolz auf ihren Papa sein. Der war schon als 18-Jähriger zum ersten Mal Vater geworden und hat seitdem mit Hilfe seiner Liebsten das Kunststück fertiggebracht, die Familie mit dem Leistungssport zu verbinden. Normal ist das nicht.

Nach dem Olympiasieg verabschiedete sich Frenzel mit seinen starken Teamkollegen – Rießle landete auf Platz sieben, Vinzenz Geiger auf Position neun – zum Feiern ins Deutsche Haus. Zum Anstoßen, nicht zur großen Party. „Olympia ist nicht vorbei“, sagte Rydzek als kleine Kampfansage an den Olympiasieger. Schließlich gibt es für die Goldgaranten noch zwei Olympiasiege zu holen. Vielleicht kann man dann ja sogar mit der deutschen Fahne über die Ziellinie laufen.