Olympia

Deutsche Bewerbung Athleten wünschen sich neuen Anlauf für Winterspiele in Deutschland oder zumindest Europa

„Wäre eine coole Geschichte“

Pyeongchang.Olympische Winterspiele in Deutschland oder zumindest in Mitteleuropa? Das ist in Pyeongchang ein heißes Thema. „Für einen deutschen Wintersportler gibt es nichts Besseres als Olympische Winterspiele in Deutschland“, meinte Abfahrer Thomas Dreßen, der Überraschungsgewinner von Kitzbühel und Olympia-Mitfavorit. „Es wäre eine coole Geschichte allgemein für den Wintersport.“

Dies sieht Biathlon-Königin Laura Dahlmeier ähnlich: „Natürlich wäre es schön, wenn Olympia mal wieder in Mitteleuropa stattfinden würde, in der Wiege des Skisports. Es wäre wichtig, dass Olympia zurückkommt.“ Seit Turin 2006 gab es keine Vergabe an ein europäisches Wintersport-Traditionsland mehr. 2010 war Vancouver der Schauplatz, 2014 das russische Sotschi, aktuell ist es Südkorea und 2022 wird es Peking sein. Für 2018 verlor München im Kandidaten-Finale gegen Pyeongchang. Eine Bewerbung für 2022 scheiterte an einem Referendum. „Wir haben die Winterspiele groß gemacht. Es wird Zeit, dass die Winterspiele wieder nach Europa oder Nordamerika kommen“, meinte Rodel-Bundestrainer Norbert Loch.

Vier mögliche Bewerber für 2026

Während in den USA Denver, Salt Lake City und Reno-Tahoe ihre Bewerbungsabsichten schon für 2030 ankündigten, tun sich europäische Länder schwer. Österreich (Schladming/Graz), Schweiz (Sion), Norwegen (Telemark) und Schweden (Stockholm) erwägen Kandidaturen für 2026. Ob sie diese bis zum Meldeschluss des Internationalen Olympischen Komitees am 30. März bestätigen, ist höchst ungewiss. Der Rückhalt in der Bevölkerung ist allerorten nicht berauschend. Auch unter den deutschen Athleten gibt es nach den vielen Affären Verständnis für diese Skepsis und dem olympischen Gigantismus gegenüber.

„Ich denke, dass in den vergangenen Jahren eine Antipathie gegenüber Olympia entstanden ist“, meinte Langläuferin Steffi Böhler. „Das ist schade. Ich verstehe die Leute, weil man ja mitkriegt, wie viel Gelder da teilweise verschwendet werden.“ Als Europäer wären Winterspiele auf dem eigenen Kontinent „ultraschön und man würde es sich wünschen“, sagte der Nordische Kombinierer Johannes Rydzek. „Aber es ist kein Wunschkonzert. Wenn sich eine Demokratie dagegen entscheide, muss man das so hinnehmen.“

Eisschnellläufer Nico Ihle kann sich Olympia in Deutschland gut vorstellen und glaubt, dass „die Mehrheit der Deutschen dahinter stehen“ würde. Deshalb findet er es falsch, wie vor dem zweiten Olympia-Anlauf von München für 2022, nur die Bevölkerung in der Region zu befragen. „Dort wollen die Leute eher in Ruhe gelassen werden. Das finde ich schade, weil ich überzeugt bin, dass viele im Land hinter dem Sport stehen“, so Ihle.

Wie wichtig Olympische Spiele im eigenen Land als Schubkraft für den Spitzensport sind, weiß der Deutsche Olympische Sportbund, der mit München und Hamburg auf den „Rückenwind-Effekt“ spekuliert hatte, erklärte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Südkorea und auch der nächste Winterspiele-Ausrichter China würden das mit dem Bau von modernen Trainings- und Wettkampfstätten nutzen. „Blickt man zehn, 20 Jahre in die Zukunft, dann wissen die Asiaten, was sie tun“, ist sich Hörmann sicher.

Perfekte Botschafter

Deshalb sieht Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger die deutschen Athleten in der Pflicht, sich für Heim-Olympia ins Zeug zu legen. „Ich glaube, es ist auch unser Job, durch unser Auftreten Deutschland davon zu überzeugen, dass Olympische Spiele wieder mal schön und keine Belastung wären.“ Mit dem glänzenden Start in Pyeongchang ist dazu vielleicht der Anfang gemacht.