Oststadt / Schwetzingerstadt

Oststadt Ehemalige Tulla-Gymnasiasten feiern 60-jähriges Abiturjubiläum mit vielen Erinnerungen

„Ein guter Jahrgang“

„Aus dem wird nichts“, meinte der Klassenlehrer mit Blick auf den jungen Rolf-Peter Freund. Es war eine eklatante Fehleinschätzung. Heute erzählt der ausgewiesene Finanzfachmann Dr. Rolf-Peter Freund lächelnd über die Begebenheit vor 60 Jahren. Damals hatte er gerade das Abitur am ehemaligen Tulla-Gymnasium abgelegt. „Die Noten waren nicht die allerbesten“, schmunzelt er. Doch dafür war das Jurastudium umso besser, abgeschlossen mit einer Dissertation. So werden Erinnerungen wach beim Treffen der Schüler eines einst traditionsreichen Mannheimer Gymnasiums, das es heute nicht mehr gibt.

Es ist eine muntere Truppe, die ihr 60-jähriges Jubiläum im Richard-Strauß-Raum des Dorint-Hotels am Friedrichsring feiert. „Beim 25-Jährigen waren wir noch 22 Kameraden“, erinnert sich wehmütig Klaus Leitz, „heute sind wir hier nunmehr zwölf, vor wenigen Wochen haben wir überraschend zwei durch den Tod verloren“. Ihnen gilt ein kurzes Gedenken. Es fällt in der Runde die etwas abgedroschene Bemerkung: „Die Einschläge kommen immer näher“. Verschmitzt kommentiert einer der Herren: „Bis man selber der Einschlag ist.“

„Ein feiner Mann“

Die Anerkennung für den Zusammenhalt kommt vom Stadtrat und Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel. In seinem Grußwort hebt er die Bedeutung der persönlichen Kontakte hervor, die fruchtbarer für den Zusammenhalt seien als die Kommunikation über soziale Netzwerke. Konrektor Matthias Nuß berichtet über die heutige Tulla-Realschule. Einen kurzen Abriss der Geschichte des Tulla-Gymnasiums gibt Peter Schmid, übrigens ein Bruder eines Abitur-Kollegen und selbst „Tulaner“. Dabei erwähnt er auch den Rektor Dr. Jülg, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Leitung der Schule übernahm und ausgerechnet mit den Abiturienten 1959 das Gymnasium in den Ruhestand verließ. „Ein feiner Mann und ganz Respektsperson“, erinnert sich Bernd Emmerich.

In guter Erinnerung ist auch noch Professor Rothmund, der Geschichte und Deutsch unterrichtete: „Ein super Typ und ein verkappter Schauspieler“. „Und dann war da die Biologielehrerin, die kam aus Rumänien“, von ihr blieb noch das geflügelte Wort: „Mit euch kriege ich noch Nervenbruch zusammen.“ Das sagte sie, als ein Schüler unmittelbar vor ihrem Eintritt in die Klasse Kastanien in den Bullofen, mit dem damals noch die Schulräume geheizt wurden, warf. Kaum trat sie vor die Schüler, ratterte es aus dem Ofen wie aus einer Maschinenpistole. Folgen hatte es zum Glück keine für den Buben, der für den Scherz verantwortlich war. Ernster war es für den Jungen, der bei einer Feier nach einer schriftlichen Arbeit im Habereckel auf der Toilette einen Wasserhahn herausschraubte und das Lokal flutete. „Der wurde fast vom Abitur ausgeschlossen“, erinnert Dr. Klaus Wienand.

Verstreut in alle Winde

Wie gut der Zusammenhalt schon damals war, belegt die gegenseitige Hilfsbreitschaft. „Wir hatten einige, die waren bei Mathe nicht besonders helle. Immer vor einer Prüfung hat uns Dr. Emmerich, der spätere Physiker, bei ihm zuhause gecoacht“, erinnert sich Dr. Freund. Dennoch sollte es 15 Jahre dauern, bis die Freunde zum ersten Klassentreffen zusammenkamen. Man einigte sich damals, alle fünf Jahre zusammenzukommen. Nicht alle blieben der Heimatstadt treu. Einen verschlug es nach Bremen, einen anderen nach Aachen, wiederum einen nach Neuried bei München und einen gar nach Brüssel als Beamter bei der EU-Kommission. Juristen finden sich unter ihnen, Physiker, Ingenieure, Ärzte, Finanzfachleute und ein Hochschullehrer. „Ein guter Jahrgang“, meinte lächelnd Klaus Leitz.

Nach dem ersten Treffen vereinbarten sie, alle fünf Jahre zusammenzukommen, immer organisiert von Klaus Leitz. Später wurden es alle zwei Jahre und schließlich jährlich, immer verbunden mit Besichtigungen und Exkursionen in der Umgebung. Diesmal blieb es bei der Feier im Hotel und einem Essen in einem Restaurant. „Wir sind älter geworden“, bemerkt Leitz, „und einige sind nicht mehr so beweglich.“ Und dann stimmt er zu Musik des Gittarenduos Hans Heiser & Christian Schimanski den Song „What a wonderfull World“ und „Love me tander“ an. „Jo, waren das noch Zeiten“, sinniert leise Horst Emmerich.