Oststadt / Schwetzingerstadt

Schwetzingerstadt Oberstufentheater am Liselotte-Gymnasium begeistert die Besucher

„Ein Volksfeind“ zeigt Witz und Pep

Archivartikel

Tosenden Applaus haben die Schüler des Oberstufentheaters am Liselotte Gymnasium (Lilo) und ihre Leiter, Faina Rüber und Holger Andreas, für ihre ausverkaufte Aufführung des Ibsen-Stücks „Ein Volksfeind“ geerntet. Obwohl schon mehr als 130 Jahre alt, sind die in Henrik Ibsens Drama thematisierten Ideale der Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit heute so aktuell wie nie.

Deshalb setzt die Theater-AG die originale Textversion nicht einfach eins zu eins um, sondern bringt eine modernisierte Version des Stücks, auf die Bühne. Darin stehen die „Friday for Futur“-Demonstrationen im Mittelpunkt. Vom Original ist nur noch ein Gerippe in die Gegenwart transferiert worden.

Dubiose Machenschaften

Thematisiert wird, wie bei Ibsen, die Gefahr, dass eine fragwürdige öffentliche Meinung als Wahrheit akzeptiert wird. Im Mittelpunkt der Inszenierung steht Badearzt Dr. Stockmann, der in seiner Heimatstadt Bad Wildquell eine schreckliche Entdeckung macht: Das Heilwasser des neu eröffneten Kurbades ist verseucht! Schuld daran sind die umweltverschmutzende Fabrik am Ort und die dubiosen Machenschaften von Bürgermeister Peter Stockmann, Bruder des Badearztes. Als Dr. Stockmann seine durch Gutachten belegte Entdeckung der Öffentlichkeit präsentieren will, gerät er in eine Zwickmühle und muss eine folgenschwere Entscheidung treffen: unmoralisch die Gesundheit und sogar das Leben der Kurgäste aufs Spiel setzen oder den gravierenden Missstand öffentlich anprangern und damit die Existenz der eigenen Familie gefährden.

Monatelang haben die zwölf Schauspieler unter Leitung von Rüber und Andreas geübt, unterstützt durch die Mittelstufen-Theater-AG, die Technik-AG sowie Expertisen bei der Gefährdungsanalyse durch Lehrer Degner. Herausgekommen ist eine Inszenierung, die sehr professionell wirkte, nicht zuletzt dank ausgezeichneter schauspielerischer Leistungen vor allem von Moritz Fritsch (Bürgermeister Peter Stockmann) und David Stahl (Dr. Thomas Stockmann).

In einer Zeit mit so vielen Problemen, wie derzeit, war es den Regisseuren wohl unmöglich, ein Stück zu inszenieren, das zum großen Teil allein der Unterhaltung dient. Auf Unterhaltung wurde dennoch nicht verzichtet. Durch manchen Kalauer und manche mimische Pointe der Darsteller wurde nicht nur ein Schmunzeln aus- und dadurch eine vielleicht zu starke Anspannung im Publikum aufgelöst, sondern durchaus auch herzhaftes Lachen bei den Zuschauern erzeugt. Die Schauspieler brachten Witz und Humor in ihre Rollen.

Ziel erreicht

Den ganz besonderen Pep bescherte dem Schauspiel die durch Walking Acts modernisierte Version des Stücks – Walking-Theater als anspruchsvolle und nachhaltige Unterhaltung, die dem Schauspiel von Henrik Ibsen Leichtigkeit und Emotionen schenkte. Mit wechselnden Spielorten, verrückten Einfällen und viel Witz brachten die zwölf Akteure ihre Gäste in Schwung – Entertainment auf höchstem Niveau.

Was Dr. Stockmann im Stück wichtig ist: Bestehende Missstände schonungslos ohne Ansehen der Person beim Namen zu nennen. Das Theaterstück machte Konflikte damit durchschaubar und bewegte das Publikum zum Handeln. Ein Ziel wurde am Ende auch erreicht: Das Oberstufentheater des Lilo hat es geschafft, mit seiner Aufführung Empathie und Nachdenklichkeit für die Konflikte und Krisen unserer Zeit im Publikum zu erzeugen. ost