Oststadt / Schwetzingerstadt

Oststadt „Kunstwerk Galerie“ schließt nach 32 Jahren in der Augustaanlage / Wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein Grund

Galerist sagt schweren Herzens Servus

Mitte Januar gibt Wolfgang Dahm seine „Kunstwerk Galerie“ in der Oststadt auf. Die Mannheimer Kunsthandwerkerlandschaft erodiert weiter. 32 Jahre lang war Wolfgang Dahm Ansprechpartner für Kunstliebhaber sowie für Bilderrahmen, Kunstdrucke, Einrahmungen und Aufzieharbeiten nach Maß. Gegründet wurde die „Kunstwerk Galerie“ 1986 in Q 2, 5, später zog das Geschäft um nach Q 5, 11 ins Eckhaus bei der Citykirche Konkordien.

Mit viel Herzblut betrieben

Als Dahm, Diplom-Sozialpädagoge und Kulturliebhaber, 1990 im Alter von 32 Jahren die „Kunstwerk Galerie“ im Herzen der City übernahm, brachte er bereits unternehmerische Erfahrung mit. Er war Mitbegründer des Video- und Filmverleihs Mr. und Mrs. Smith in M 7, 11. „Kunstwerk bedeutet Galerie und Einrahmungswerkstatt“, erklärt Dahm. Zuletzt bereicherte die von ihm angebotene moderne und überwiegend abstrakte Kunst in den sonnendurchfluteten Räumen der „Kunstwerk Galerie“ an der Augustaanlage 38 die zunehmend trostlosere Kunsthandwerkerszene der Stadt. Jetzt gehen auch dort die Lichter aus. Am 17. Januar schließt Dahm seine „Kunstwerk Galerie“, die er mit viel Herzblut und Kunstverstand in der urbanen Diaspora betrieben hat.

Wer den gebürtigen Mannheimer (1958), der so leidenschaftlich für die Kunst lebt, kennt, weiß, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen sein muss. Ein Bündel von Faktoren habe ihn zur Aufgabe gezwungen, erzählt er. „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich gravierend verschlechtert.“ Neben dem Rückgang der Verkaufsumsätze bei steigenden Mietkosten nagt die Erhöhung der Mehrwertsteuer an der Existenz. Seit 2014 müssen Galeristen bei jedem Kunst-Deal 19 Prozent an den Fiskus abtreten. Zudem lichtet sich altersbedingt der treue Kundenstamm der Sammler. Junge, kunstbegeisterte Käufer folgen nicht nach. „Es gibt kaum noch Kollegen in Region, wir sind jetzt einer von vielen, die es nicht mehr gibt“, bedauerte Dahm. Zeiten, Interessen und Einkaufsgewohnheiten hätten sich verändert. Und am bittersten klingt vielleicht seine Erkenntnis, „dass Kunst nicht mehr dort gekauft wird, wo die Menschen leben, sondern jetzt irgendwo in der Welt oder im Internet“. Nach der Jahrtausendwende seien in allen Flächenmärkten die Produkte aufgenommen worden: Fertigbilder, irgendwo auf Welt produziert. Die Menschen legten weniger Wert auf Inneneinrichtung, seien Teil des Trends. Menschen würden mobiler, investierten weniger in eine dauerhafte Einrichtung und seien jederzeit bereit, die Dinge auf die Straße zu stellen und Neues zu erwerben.

Kein Nachfolger

„Die Meisten haben eher einen großen Flat Screen statt ein Bild an der Wand“, glaubt Dahm. Die Kundenzahlen würden schrumpfen, nicht nur bei den Galerien, sondern auch bei Buchbindereien oder Fotoateliers. Deshalb gibt es auch keinen Nachfolger für seine Galerie mit angeschlossener Werkstatt. „Das Interesse an guter Kunst hat drastisch abgenommen, die Leute sind nicht mehr bereit, für Kunst Geld auszugeben“, bedauert der Galerist. ost