Oststadt / Schwetzingerstadt

Oststadt Ausstellung in der Galerie für zeitgenössische Kunst in der Tulla-Realschule

Gegensätze mit Neonfarben: Weg von der typischen Kunst

Archivartikel

Ob feine, filigrane Zeichnungen, Skizzen mit Fäden ergänzt, Sessel und Fußhocker mit Stickereien, Plastiken aus Kunstleder und Messing – jedes Kunstwerk enthält Neonfarben, mal mehr, mal weniger. Die in den beiden langen Fluren der Tulla-Realschule ausgestellten Kunstwerke von Sabine Effinger aus München, Claudia Kallscheuer aus Düren und Andrea Ostermeyer aus Mannheim sind vielseitig. Alle drei haben eines gemeinsam: Neonfarben sind aus ihrer Kunst nicht wegzudenken.

Dorothea Fogt und Susanne Klehr, die 2014 die Leitung der Galerie im Tulla übernommen haben, ist es gelungen, die drei hochkarätigen Künstlerinnen für eine gemeinsame Ausstellung in ihrer Schule zu gewinnen. „Das Thema Neon ist ja so ein Zeitgeistthema, eine Modeerscheinung“, führt Dorothea Fogt aus. Etwas Neues sei es indes nicht. Schon in den sechziger Jahren habe Rupprecht Geiger als erster Künstler mit Neon gearbeitet, einen weiteren Trend habe es in den neunziger Jahren gegeben.

Zum Nachdenken anregen

Nun kehrten die Neonfarben nicht nur in Mode und Design zurück, auch in der Kunst seien sie wieder gegenwärtig. „Das Schöne ist, dass das Neon auch feine Zeichnungen, feine Linien in den Vordergrund bringt“ erklärt Fogt ihre Vorliebe für Neon. „Gewerke, die an der Wand vielleicht in den Hintergrund treten, die springen einem an, einfach dadurch, dass ein bisschen Neon gesetzt ist“, ergänzt sie. Die Kunst der drei Damen sei hochwertig. Sie stelle Fragen, rege den Betrachter zum Nachdenken an, indem sie über das auf den ersten Blick Sichtbare hinausgehe. Die Ausbildung der drei Künstlerinnen sei erstklassig, ihre Werdegänge spannend.

Sabine Effinger möchte mit der Markierung durch Neon das Werk etwas mehr ins breite Publikum holen. „Ich mag dieses Billigschreiende erstmal, weil es ein bisschen weggeht von dieser musealen Wertigkeit“ erklärt sie. Es gehe ihr darum, durch eine Markierung mit Neon einen Bruch in der schön gearbeiteten Zeichnung zu haben. Damit einen Gegensatz zu gestalten. Claudia Kallscheuer dagegen mache es einfach „nur“ Spaß, damit zu arbeiten. „Ich brauche dieses Knallige, dieses Schrille immer mal wieder zwischendurch“, sagt sie. Kallscheuer hat aufgrund ihrer Ausbildung und ausgeprägten fachlichen Kenntnisse über textile Materialien, deren Eigenschaften und Anwendungsarten das Schreiben und Zeichnen mit genähten Linien und gestickten Buchstaben zu ihrem Thema gemacht. Für Andrea Ostermeyer stehen die künstlichen Neonfarben im Gegensatz zu den „normalen“ Farben, wie sie an einem Körper oder in der Landschaft auftauchen. Sie kombiniert für ihre Plastiken Neonfarben gerne mit verschiedensten Materialien. „Von Anfang an ist es eine Art plastische Grundlagenforschung, auf der meine Arbeit basiert“, erläutert sie ihre Arbeitsweise.

Kulturelle Teilhabe

Bei der Vernissage unterstreichen neben dem Kurator der Kunsthalle, Sebastian Baden, auch der Bildungsbürgermeister der Stadt Mannheim, Dirk Grunert (Grüne) sowie der Konrektor der Schule, Matthias Nuss, die Einzigartigkeit dieser öffentlichen Galerie in einer Schule. So etwas sei nicht nur in der Quadratestadt, sondern in ganz Baden-Württemberg, vermutlich in ganz Deutschland einmalig.

Die Gründer der Galerie im Tulla hätten damals sehr weise gehandelt und erkannt, wie wichtig die Verbindung von Kunst und Kultur in der Schule sei und welch vielfältige Möglichkeiten diese Galerie bringe. Kulturelle Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit können hier umgesetzt werden, Schüler verschiedenster Herkünfte an Kunst und Kultur teilhaben, sich bewusst und unterbewusst damit auseinandersetzen.

Kunstwerke machen neugierig, erweitern den Horizont, bauen Vorurteile ab. Wertschätzung und Respekt wird gefördert, so sei beispielsweise nie etwas beschädigt worden. Auch sei es wichtig, die Schüler mit Fragen zu konsultieren. Zum Beispiel: „Was ist das?“; „Was hängt da an der Wand?“; „Warum ist das wertvoll?“; „Warum ist das schön?“ Auch die Frage nach dem Hässlichen darf gestellt werden: „Warum, wenn es hässlich ist, ist es trotzdem schön?“; „Wie kann man das Paradoxon eigentlich aushalten?“, erklärt Sebastian Baden.

Dass die Tulla-Realschule neben Kunst ein ebenso bemerkenswertes musikalisches Angebot hat, beweist die Bläserklasse 8b unter der Leitung von Tanja Dieminger. Die hörenswerte Band umrahmt musikalisch die Vernissage mit schmissigen Stücken. Dazu setzen die Musiker auch modische Akzente: Einen Teil ihrer schwarzen Kleidung haben sie, vermutlich aus gegebenem Anlass, gegen neonfarbene eingetauscht.