Oststadt / Schwetzingerstadt

Schwetzingerstadt Anwohner beschwert sich über Baustelle in der Schwetzinger Straße / Sanierung von Schienen und Versorgungsleitungen bis 19. August

„Sich zu konzentrieren, ist unmöglich“

Archivartikel

In Ruhe arbeiten kann Andreas Woernle schon länger nicht mehr, wie er sagt. Der Lärm der Baustelle sei einfach zu groß. Zeitweise hätten sogar die Wände und die Gläser im Schrank gezittert. Der 59-Jährige ist Arbeitsvermittler und hat sein Büro zu Hause. „Sich hier zu konzentrieren, ist unmöglich“, sagt er.

Anlass für seinen Ärger ist die Baustelle in der Schwetzinger Straße – unmittelbar neben der Station Tattersall. Nach Angaben der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) werden dort seit dem 24. Juni die Schienen ausgewechselt. Sie seien mittlerweile 50 Jahre alt, so die RNV.

Darüber hinaus arbeitet im Auftrag des Energieversorgers MVV eine Firma an Gas- und Wasserleitungen. Auch an Woernles Haus werde der Gasanschluss saniert. „Zur vollen Zufriedenheit des Hauseingentümers“, wie MVV-Sprecher Roland Kress mitteilt. Zudem werde die Stadt in dieser Woche mit den Arbeiten zur Fahrradstraße beginnen, so Sprecher Jan Krasko auf Anfrage. Die Bauarbeiten erstrecken sich laut RNV auf den Bereich zwischen der Station Tattersall und der Kreuzung von Schwetzinger- und Traitteurstraße.

Anwohner Woernle glaubt, dass nicht alles dafür getan wird, den Lärm so gering wie möglich zu halten. „Ich hatte den Eindruck, manchmal wurde die Ramme, mit der der Boden aufgerissen wurde, aus einem Meter Höhe in den Boden getrieben“, so Woernle. Das sei sehr laut gewesen. Später sei sie direkt auf den Straßenbelag gesetzt und dann in den Boden gerammt worden. „Das war leiser“, berichtet er.

RNV-Sprecher Weintz sagt dazu, es könne gut sein, dass die Baufirma so vorgegangen sei. Wie die Ramme genau eingesetzt werde, habe mit der Beschaffenheit des Bodens zu tun. Manchmal sei es nötig, die lautere Methode einzusetzen.

Kritik am Ablauf der Arbeiten

Woernle stört auch, dass die Arbeiten so früh am Morgen angefangen hätten. Weintz bedauert das, betont aber: „Manchmal ist das leider nötig.“ Besonders, wenn Schienen geschweißt würden, müsse man früh anfangen. Der Grund: Durch die Hitze im Laufe des Tages könnten sich Schienen bereits so verformen, dass das Schweißen unmöglich werde.

Allerdings habe man vorher immer über besonders frühe Bauarbeiten informiert. Bisher seien diese nie früher als sechs Uhr gestartet worden, so Weintz auf Nachfrage.

Auch am Ablauf der Baumaßnahmen übt Woernle Kritik. „Die Schienen sind so gut wie fertig“, sagt er. Dann hätten die Bauarbeiter den frischen Asphalt aber noch einmal aufgerissen, um Leitungen zu erneuern. „Viel einfacher ist es doch, die Straße nur einmal aufzureißen und alle Arbeiten in einem zu erledigen“, findet der Anwohner. RNV und MVV bestätigen auf Nachfrage, dass Teile des Asphalts im Laufe der Arbeiten wieder aufgerissen wurden.

Das sei allerdings nötig gewesen, so RNV-Sprecher Weintz. „Ein Teil der Straße muss immer asphaltiert sein, damit Rettungsfahrzeuge an die Häuser kommen. Bei einer einzigen großen Baugrube wäre das nicht möglich gewesen“, so Weintz. Dass sich Stadt, RNV und MVV bei den Arbeiten nicht ausreichend untereinander abgestimmt hätten, weisen die Sprecher der drei Einrichtungen zurück.

Bis die Schwetzinger Straße wieder frei ist und die Lärmbelästigung geringer wird, werden sich die Anwohner noch ein wenig gedulden müssen. Nach Angaben von RNV-Sprecher Weintz sollen die Straßenbahnen am 19. August wieder fahren. „Bisher liegen wir aber gut im Zeitplan“, so Weintz.