Oststadt / Schwetzingerstadt

Oststadt Lesung „Von Hirten und Schafen“ im Liselotte-Gymnasium

Spannende kulturgeschichtliche Reise

Archivartikel

Eine kulturgeschichtliche Reise durch das Leben der Hirten und Schafe als Motiv in Religion und Literatur aus zweieinhalb Jahrtausenden gab es am Liselotte-Gymnasium – vorgetragen vom ehemaligen Schulleiter Helmut Slogsnat. Die Lesung fand in der Cafeteria statt, um die 40 Interessierte hatten sich eingefunden. Das Motiv der Hirten und Schafe erfuhr einen Wandel im Laufe der Zeit und in den Kulturen.

Motiv der Kirche

Im bekannten Psalm 23 des Alten Testaments ist der „Herr“ der „Hirte“, hier bekommt das Motiv eine sakrale Note. „Schon vorher in Mesopotamien wurde der Herrscher als Hirte bezeichnet“, erklärte Slogsnat. Auch im Neuen Testament bleibt die Metapher im religiösen Bereich, spricht das Johannes-Evangelium doch vom „guten Hirten“, wenn Jesus gemeint ist. „In der Eucharistie in der Nacht zum Pessach-Fest geht Jesus dann als Lamm Gottes in die Ikonographie ein.“ Noch heute ist das Motiv des Hirten in der Kirche zu finden, denn in der evangelischen Kirche gibt es den „Pastor“, dies bedeutet „Schäfer“. Weltlich wird das Hirten-Motiv in der Neuzeit erst durch die Schäferdichtung der Renaissance und des Barock, im Rückgriff auf die Antike. Schauplatz ist stets das Land, weit weg von einer urbanen Kultur. Verschmähte Liebe und das Schwärmen für eine geliebte Schäferin waren hier Hauptthemen. Mit Torquato Tasso begann das höfisch-dramatische Schäferspiel im 16. Jahrhundert. Der noch heute bekannte Begriff „Schäferstündchen“ stammt aus dem 18. Jahrhundert und umschreibt, man ahnt es schon, eine erotische Beziehung. Auch hier findet ein Rückgriff auf die griechische Antike statt, denn schon im zweiten Jahrhundert vor Christus schrieb der Dichter Longos „Daphnis und Chloe“, eine turbulente Mischung aus Liebes- und Abenteuerroman. „Es kommen sogar Piraten und Entführungen darin vor. Goethe war ganz gerührt von Daphnis und Chloe. Das Buch wurde 1931 verfilmt und sorgte wegen der Nacktheit für einen Skandal.“

Klassiker kaum präsent

Slogsnat bedauerte, dass die griechischen Klassiker heute kaum noch gelesen werden, viele der Bücher seien nur noch über Antiquariate erhältlich. Populärer ist dann schon Shakespeares „Wie es euch gefällt“, hier hat sich der Meister von einem damals beliebten Schäferroman inspirieren lassen.

Im zweiten Teil des Programms ging es um die Verarbeitung des Hirten-Motivs in der Musik, zum Beispiel mit „Nymphs an Shepherds“ von Henry Purcell oder „Schäfers Klagelied“ von Franz Schubert. Als Sopranistin zu hören war Julia Obert, Klarinette spielte Heribert Eckert. Die Begleitung am Klavier übernahmen Pia Kröper und Eberhard Vogel.