Oststadt / Schwetzingerstadt

Oststadt Gedenktafel für Siegfried Einstein angebracht

Zum 100. Geburtstag des Mannheimer Schriftstellers

Am Haus in der Richard-Wagner-Straße 79 erinnert seit Kurzem eine Gedenktafel an den Schriftsteller Siegfried Einstein (1919-1983). Einige Tage nach seinem 100. Geburtstag wurde die Gedenktafel bei einer Feierstunde enthüllt vor dem Haus, in dem der Schriftsteller von 1959 bis 1983 lebte. Befestigt wurde die von Gisela Kerntke, Dieter Dumont sowie Dorothee und Martin Reingart gestiftete Tafel von Dieter Dumont links neben dem Eingang.

Anwesend waren außer den Stiftern und weiteren Freunden von Siegfried Einstein auch dessen Frau Iloma Einstein. Gisela Kerntke erzählte: Vor zwei Jahren, beim 90. Geburtstag von Ilona Einstein, hatte der Freundeskreis beschlossen, es muss was passieren. Kerntke freute es, dass die GBG Mannheimer Wohnsbaugesellschaft mbH die Erlaubnis zur Anbringung des Schildes erteilt hat.

Ab 1959 in Mannheim

Kerntke berichtete: Siegfried Einstein gehört zu den wenigen jüdischen Menschen, die nach dem Krieg nach Deutschland zurückkehrten. Er wurde am 30. November 1919 in Laupheim bei Ulm geboren. Nach judenfeindlichen Angriffen in der Schule brachten ihn seine Eltern 1934 in die Schweiz, wo er das NS-Regime überlebte – zum Teil in Arbeitslagern.

Ab 1946 brachte er seine ersten Gedichtbände heraus, zum Beispiel „Das Wolkenschiff“, mit dem mehrfach vertonten Gedicht: „Schlaflied für Daniel“ – seinen einzigen Sohn. 1953 kehrte Einstein nach Deutschland zurück. Er wohnte zunächst in Lampertheim. 1959 zog er nach Mannheim.

Einstein schrieb vor allem Lyrik, Erzählungen und politische Essays, wirkte außerdem als Journalist und Redner, auch mehrfach in der Frankfurter Paulskirche. 1956 erhielt er den Thomas Mann-Förderpreis. Im gleichen Jahr hielt er die Gedenkrede zum 100. Todestag von Heinrich Heine auf dem Friedhof Montmartre in Paris. 1964 wurde er mit dem Kurt Tucholsky-Preis der Stadt Kiel ausgezeichnet. Unter dem Eindruck des Eichmann-Prozesses 1961 schrieb Einstein die Dokumentation „Eichmann – Chefbuchhalter des Todes“. 1967 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Ilona Sand und wirkte jahrelang als Dozent an der Mannheimer Abendakademie. 1983 starb er an einem Herzinfarkt in Mannheim. Posthum erschienen 1984 der Gedichtband: „Meine Liebe ist erblindet“, 1987 der Sammelband: „Wer wird in diesem Jahr den Schofar blasen?“ Weil seine Bücher vergriffen sind, erschien 2019 die Werkausgabe: „Zeit der vielen Einsamkeiten“; Mitinitiatorin war Sabine Metzger, Herausgeberin Esther Graf. Aus der im Wunderhorn Verlag Heidelberg erschienen Anthologie lasen Ilona Einstein und Dorothee Reingart am Schluss der kleinen Feier einige seiner Gedicht vor. ost