Pflege

Ausflüge – Was Sie beachten sollten, dass alles klappt

Archivartikel

Nicht immer ist ein Urlaub drin, aber einen Tagesausflug oder ein paar Stunden mal raus in den Park das geht immer. Doch, gerade wenn man Pflegebedürftige zu betreuen hat, werden Ausflüge immer anspruchsvoller: Hat man an alles gedacht? Sind alle Medikamente dabei? Welche Kleidung muss angezogen und mitgenommen werden? Hier ein paar Dinge, auf die Sie achten sollten, so dass Ihre Ausflüge immer schöne Erinnerungen bleiben.

Die Erkenntnisse einer pflegenden Angehörigen - Frau G. erläutert ihre Sicht der Dinge

Wohin geht die "Reise"?

Die Wahl des passenden Ausflugsziels hängt von vielen Faktoren ab. Wenn wir einen Ausflug planen, dann kommen zunächst persönliche Vorlieben zum Zuge. Vielleicht gibt es Orte, an denen man früher gemeinsam war und eine schöne Zeit verbracht hat. Damals war sozusagen die Welt noch ‚in Ordnung‘. Vielleicht waren damals noch alle gesund und man konnte sich ungehindert fortbewegen. Haben jedoch aber Krankheiten oder Gebrechen Einzug gehalten dann wird es schon ein wenig schwieriger.

Der Anfahrtsweg und Mobilitätshilfen

Als ich meine Mutter betreute und Ausflüge plante, habe ich vor allem auf ihre Mobilität geachtet. Da ich oft bei ihr war wusste ich ungefähr wieviel Fußweg sie zurücklegen konnte und ab wann es ihr schwerfiel weiterzulaufen. Ab einem gewissen Zeitpunkt konnte sie selbst nur noch wenig laufen und ich musste den Rollstuhl mitnehmen. Rollatoren, besonders die Leichtgewicht-Rollatoren, sind ja noch gut zu handhaben. Im Zweifelsfall kann man sie auch auf dem Rücksitz verstauen. Aber bei Rollstühlen wird es schon schwieriger: Nicht nur die Kompaktheit des Rollstuhls stellt den Angehörigen vor Herausforderungen, sondern besonders das Gewicht. Ich bin nun mal von Statur aus groß gewachsen und kann so einiges an Gewicht tragen. Aber selbst mir fiel es schwer, den Rollstuhl in das Auto zu heben. Was machen da erst ältere oder schmächtigere Menschen? Hinzu kommt, dass man NICHT auf den ausgewiesenen Behindertenparkplätzen parken darf. Nur mit einem entsprechenden Ausweis darf man diese Parkplätze nutzen und diese Berechtigungen werden nur noch selten ausgestellt. Der VDK hat einige rechtliche Punkte bezüglich Behindertenparkplätze in übersichtlicher Weise zusammengefasst.

Barrierefreie Zugänge

Deutschland ist eine Wüste in Bezug auf Barrierefreiheit. Obwohl es sehr einfache Lösungen gibt, die auch nicht teuer sein müssen, halten es viele nicht für notwendig, sich um barrierefreie Zugänge in Läden oder öffentlichen Gebäuden zu kümmern. Vor einer Woche ging ich am späten Nachmittag am Neckarufer in Mannheim spazieren und kam zur Kurpfalzbrücke. Dort mühte sich gerade ein ausländischer Mitbürger mit einer Trage ab, auf der ein behindertes Kind lag. Gemeinsam mit seinem Sohn schleppte er die Trage die Treppe zum Neckarufer hinunter. Er wusste nicht, dass es einen barrierefreien Zugang direkt an der Alten Feuerwache gab. Eine Beschilderung hätte dem Familienvater einiges erleichtert. Aber auch aufmerksame Mitbürger, hätten dem bereits auf der Brücke Mann helfen können und ihn darauf hinweisen, dass es auch einfacher geht. Ein wenig Aufmerksamkeit und Mitdenken aller wäre in solchen Situationen besonders für die pflegenden Angehörigen von Vorteil. Im Umkehrschluss bedeutet das: wenn Sie nicht sofort Barrierefreiheit erkennen, fragen Sie nach. Wenn Sie populäre Ausflugsziele ansteuern ist eine kleine Recherche im Vorfeld auch sinnvoll. Ein Anruf oder Nachschauen auf der Webseite genügt, um sich zu vergewissern, ob das Ziel passt oder nicht. Einen guten Ansatz zum Thema barrierefreies Reisen und Ausflugsziele bietet die Seite "Reisen für alle" ein Projekt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird.      

Der Ausflug kann also beginnen, oder?

Vor allem gilt bei Ausflügen: Nehmen Sie sich Zeit, denn unter Zeitdruck wird der Ausflug eine besondere Herausforderung. Achten Sie auf Ihren Schützling, denn wenn dieser sich nicht besonders wohl fühlt ist es besser, den Ausflug zu verschieben, auch wenn sich alle noch so sehr darauf gefreut haben. Denken Sie auch daran, dass kranke Menschen oft andere Temperaturempfindungen haben. Manchen ist es immer heiß und manche frieren leicht. Bereiten Sie sich am besten für alle Eventualitäten vor. Gut ist immer ein Zwiebelprinzip. Je mehr man unterschiedliche Schichten zum An- und Ausziehen hat desto einfacher kann man Temperaturen regeln. Haben Sie auch immer eine Kleinigkeit zum Essen oder Trinken dabei. Vor allem Letzteres ist immer sehr wichtig, vor allem bei der vorherrschenden Sommerhitze. 

Fotografieren oder Filmen vergessen und mit ein wenig Humor geht alles besser

Bei allem Stress, den man in der Pflege hat: Der Spaß sollte immer an erster Stelle stehen. Denn was nützt der schönste Ausflug, wenn man ihn nicht genießt und Spaß dabei hat. Denken Sie auch daran, schöne Bilder zu machen oder lassen Sie die Kinder oder Enkel mit ihrem Smartphone ein Video machen. Das sind alles schöne Erinnerungen, die unbezahlbar sind. Wenn auch mal ein wenig Geduld beim Kranken fehlt gibt es allerlei Ablenkung, die man einsetzen kann. Ich habe oft mit meiner Mutter alte Lieder gesungen. Wir waren beide früher im Chor und sangen sehr gerne, oder wir haben einfach nur da gesessen und die Wolken betrachtet und dabei uns Figuren ‚ausgemalt‘. Denken Sie an Ihre Kindheit zurück. Es gibt ganz viele einfache Dinge, die man machen kann, um sich ein wenig abzulenken. Auch ein kleines Ballspiel oder etwas, was die Mobilität fördert, macht immer Spaß, besonders wenn auch Kinder oder Jugendliche noch dabei sind. Probieren Sie’s einfach mal aus.

Die Ausflugscheckliste (beliebig erweiterbar):

Ich habe ein paar Punkte zusammengestellt, die ich persönlich sehr wichtig finde, bevor man einen Ausflug mit Menschen plant, die krank und pflegebedürftig sind und besondere Unterstützung benötigen. Natürlich können Sie die Liste beliebig erweitern oder verändern:

Checkliste:

  • Ist das Ausflugsziel gut erreichbar?
  • Gibt es genug Parkmöglichkeiten?
  • Ist noch eine Begleitperson dabei, die sich entweder um das ‚Praktische‘ oder den zu pflegenden Menschen kümmern kann, wenn man einen Parkplatz sucht?
  • Kann man sich immer mal wieder irgendwo gemütlich hinsetzen?
  • Gibt es ausreichend Toiletten, die zu Fuß gut erreichbar sind?
  • Sind die Wege gepflastert oder geteert? Gibt es viele Stolperfallen?
  • Müssen Treppen oder Bordsteinkanten bewältigt werden?
  • Gibt es barrierefreie Lokale oder Cafes in der Umgebung?
  • Haben Sie ausreichend Getränke dabei? Schnabeltassen, Strohhalme oder Trinkflaschen zum einfachen Trinken?
  • Kleine Snacks? (Gemüsesticks, vorgeschnittenes Obst oder belegte Brote?)
  • Haben Sie für Sonnenschutz gesorgt? (Sonnencreme, Kopfbedeckung etc.)
  • Ersatzkleidung? Schal oder zusätzliche Jacken? Decken?
  • Regenschirm und Regenjacke?
  • Windeln oder Einlagen?
  • Je nach Erkrankung: Sind die Medikamente dabei? Zuckermessgeräte? Blutdruckmessgerät?
  • Foto dabei? Ist das Smartphone aufgeladen? Sind alle wichtigen Telefonnummern einprogrammiert?
  • Und vieles mehr…

Haben Sie eine schöne Zeit und genießen Sie den Ausflug!

Ihre Waltraud Gehrig