Pflege

Der Arztbesuch

Archivartikel

Der Arztbesuch mit einem pflegebedürftigen Menschen erfordert das, was die meisten Menschen nicht haben: Zeit und Geduld. Gerade wenn man Kassenpatient ist und der Pflegende noch arbeitet, kann schon allein eine Terminierung schwierig werden. Wie kann man das bestmöglich organisieren und handhaben?

Die Erkenntnisse einer pflegenden Angehörigen - Frau G. erläutert ihre Sicht der Dinge

Es gilt bei Arztbesuchen viele Hürden zu meistern, die auch von der Krankheit selbst und der Persönlichkeit des Kranken abhängen sowie zu Ihrer persönlichen Beziehung zu diesem Menschen. Es ist etwas anderes, wenn der Mensch schon älter ist und zudem noch ein Elternteil, oder aber der Lebenspartner oder gar das eigene Kind. Ein älterer Mensch mit Demenz, wie das bei meiner Mutter der Fall war, die auch zugleich schwere Arthrose in den Knie- und Schultergelenken hatte, wird einem enormen Stress bei einem Arztbesuch ausgesetzt. Und doch hatte ich den Stress ebenfalls, nur war er anderer Art. Natürlich überträgt sich das auf die andere Person, ob man nun will oder nicht. Daher ist es wichtig, sich sorgfältig auf Arztbesuche vorzubereiten.      

Eine gute Organisation ist die halbe Miete

Natürlich ist es am besten, wenn man ein wenig Zeitpuffer hat ansonsten ist man auf jeden Fall im Stress. Immer dabei beachten: kommt man eventuell in einen Stau oder Feierabendverkehr? Wenn der Termin morgens ist: Ist die kranke Person Frühaufsteher und kommt leicht aus dem Bett oder wird es eher schwieriger? Bei Diabetes: haben Sie auch einen kleinen Snack parat und etwas zu trinken? Man sollte auch auf die Kleidung des Kranken achten: Ist sie leicht aus- und anzuziehen beim Arzt? Hosen mit Gummiband und nicht mit Knopf und Reißverschluss sind eindeutig schneller aus und an zu ziehen. Dasselbe gilt für Pullover oder Westen ohne Knöpfe und am besten sind Schuhe mit Klettverschluss. Ich habe immer versucht bei meiner Mutter den Eindruck zu erschaffen, dass wir einen Ausflug machen. Das Wichtigste aber war besonders für mich selbst, mir immer bewusst zu machen, dass dies nicht ‚vergeudete Zeit‘ ist, sondern Zeit, die ich mit meiner Mutter verbringen konnte, auch wenn es vielleicht ‚nur‘ in einem Wartezimmer war.

Die Anfahrt

Ich wählte die Ärzte nicht nur nach ihrer Fachkompetenz aus, sondern auch nach ihrer Erreichbarkeit. Es ist mir klar, dass dies ein Luxus derjenigen ist, die in der Stadt wohnen, doch im Gegenzug gibt es seltener Parkplatzprobleme auf dem Land. Außerdem achtete ich darauf, dass die Praxen entweder ebenerdig waren oder wenigstens einen Aufzug hatten, denn nicht immer gelang es meiner Mutter die Stufen zu gehen. Zu der Zeit hatten wir einen Rollator und dann einen Rollstuhl. Einige können sich vielleicht vorstellen, wie stressig das war – nur dass der Rollstuhl noch sperriger und schwerer war als der Rollator. Ich bin groß und gut gebaut – schwere Dinge zu bewegen kein Problem. Doch was machen ältere oder zierliche Menschen? Wenn Sie es nicht alleine schaffen bitten Sie um Hilfe. Es findet sich immer jemand, der hilft und das auch gerne macht.

Seien Sie effizient

Was kann mit dem Arztbesuch verbunden werden? Was liegt auf dem Weg? All diese Fragen sollten Sie sich vorab stellen. Vielleicht auch gleich den Großeinkauf tätigen? Besonders dann, wenn Sie sich vielleicht einen Tag Urlaub nehmen müssen wäre es gut auch noch andere Dinge zu erledigen, die z.B. nur in der Arbeitszeit zu erledigen sind, z.B. Behördengänge.

Checkliste für den Arztbesuch:

  • Hat die Praxis einen Aufzug?
  • Wie steht es mit Parkmöglichkeiten?
  • Kleidung: gut aus und anzuziehen?
  • Ist genug Zeitpuffer vorhanden (im Falle von Stau, Parkplatzsuche etc.)
  • Ist das Mobiltelefon/Tablet aufgeladen?
  • Spiele, Tablet oder sonstiges dabei, um sich gemeinsam die Zeit zu vertreiben?
  • Haben Sie Spiele oder Bilder auf dem Tablet, um die kranke Person abzulenken?
  • Etwas zu Essen (kleiner Snack zwischendurch) und zu Trinken
  • Haben Sie Masken für alle dabei? Eventuell noch eine kleine Desinfektionsflasche für die Handtasche?  
  • Und noch vieles individuelle mehr…

Fazit: Am besten machen Sie sich kleine Checklisten für die jeweiligen Situationen. Diese drucken Sie am besten aus und hängen sich entweder an die Wand oder aber legen Sie in einem Ordner ab, den Sie immer griffbereit haben. Man kann nicht an alles denken! Für die jüngeren oder eher technikaffinen: Aufgabenlisten für’s Smartphone. Ein ganz gutes Programm dafür, was auch Spaß macht, ist Trello. Die kostenfreie Version reicht dafür komplett aus.

So, jetzt sollten Sie ganz gut gerüstet sein für den nächsten Arztbesuch. Machen Sie das Beste draus!

Ihre Waltraud Gehrig

www.pflegenetzwerke.de