Pflege

Organisation ist das halbe Leben (Teil 1)

Archivartikel

Gerade in Krisenzeiten, wenn Regeln und Gewohnheiten sich ändern, wenn nichts oder nur wenig hervorsehbar ist sollte man besonders als Pflegender gut organisiert sein. Wenn man sich gleich zu Beginn einer Pflegesituation diszipliniert und entsprechend organisiert, dann ist das schon die halbe Miete. Aber wie kann man das angehen?

Die Erkenntnisse einer pflegenden Angehörigen - Frau G. erläutert ihre Sicht der Dinge

Gehen wir einmal davon aus, dass Ihr Alltag zudem von der ‚eigenen‘ Familie bestimmt wird, in denen noch Kinder eine Rolle spielen. Das wird besonders anstrengend. Gerade dann müssen aber ALLE an einem Strang ziehen, so gut es geht und je nach Alter der Kinder. Erklären Sie den Kindern die Situation. Es ist normal, dass jemand erkrankt oder in einem Alter ist, in dem er vielleicht irgendwann sterben wird. Je früher man es Kindern erklärt, desto besser. Natürlich kann es sein, dass es die Kinder bedrückt, aber viel schlimmer ist es, wenn Sie es ihnen nicht sagen, da sie auf jeden Fall die Veränderungen und Ihre Sorgen spüren.

  • Sprechen die Situation klar und deutlich an. Kurze und eindeutige Sätze. Seien Sie klar, in dem was Sie von der Familie fordern. Verlieren Sie sich nicht in Phrasen wie: „Es wäre schön, wenn…“ oder „Könntest Du Dir vorstellen, dass….“ - besonders dann, wenn es nur um einfache, alltägliche Dinge geht. Geben Sie klare Anweisungen, aber auch das kann man freundlich und liebevoll tun.
  • Die Familie und/oder Freunde zum Helfen und Unterstützen motivieren.
  • Teambuilding: auch für die Pflege im Privaten unabdingbar, denn nur im Team sind Sie stark und flexibel!

Unter welchen Rahmenbedingungen bin ich am effektivsten?

Diese Überschrift wirkt für manche eventuell befremdlich, doch es hilft gerade in der Pflegesituation ungemein, wenn man versucht, ein wenig Distanz zu bekommen. Stellen Sie sich vor, die Pflegesituation ist für Sie ein Projekt. Welche Projektrollen können Sie vergeben? Was würden Sie tun, wenn Sie das Geplante nicht umsetzen können? Haben Sie einen Plan B? All das ist hilfreich, um sich selbst den Druck zu nehmen. Es muss nicht immer alles perfekt sein. Es kann auch mal alles improvisiert sein. Sie sind nicht auf der Arbeit. Pflege als ‚Projekt‘ anzugehen soll Ihnen nur helfen, strukturiert und organisierter zu sein. Sie sammeln zunächst alle Informationen, schauen sich genau die Ressourcen an, die Sie zur Verfügung haben und dann organisieren.

Hier ein kurzer Überblick, wie so etwas aussehen kann:

  • Analysieren Sie Ihre Ressourcen: Zeit, Geld, Kontakte, eigene und fremde Fähigkeiten
  • Im nächsten Schritt: setzen Sie Prioritäten. Nicht alles ist gleich wichtig und für jeden Einzelnen sind Prioritäten auch unterschiedlich zu bewerten.
  • Verteilen Sie die Ressourcen.
  • Haben Sie immer einen Plan B in der Hinterhand.
  • Wenn Plan B nicht greift, seien Sie flexibel. Vor allem verfallen Sie nicht in Panik. Irgendeine Lösung gibt es immer. Wenn Sie selbst keine haben – fragen Sie das ‚Team‘. Irgendwann braucht man andere Perspektiven. Man selbst dreht sich irgendwann im Kreis.  

Delegieren - Jeder kann eine Aufgabe übernehmen

Es sollte selbstverständlich in einer Familie sein, dass man sich gegenseitig unterstützt und hilft. Und wenn das noch ohne Murren und Diskussionen abgeht – perfekt! Denn dann kann man sich in aller Ruhe den eigentlichen Aufgaben widmen. Dazu gehört aber auch, dass Sie die Familie ‚auf Spur‘ bringen. D.h. einschwören auf die Aufgabe. Sie müssen die Aufgabe des Motivators übernehmen, der ‚Teamleitung‘. Manch einem fällt dies sehr schwer, den anderen wiederum fällt es leicht. Aber je besser Sie es fertig bringen, dass Menschen, sei es Verwandte oder Freunde, hinter Ihnen stehen und die Aufgabe des Pflegens mit als ihre Aufgabe verstehen, desto mehr werden Sie entlastet werden.

  • Die Familie und/oder Freunde zum Helfen und Unterstützen motivieren
  • Teambuilding -auch für die Pflege unabdingbar, denn nur im Team sind Sie stark und flexibel!


Jeder soll das tun, was er am besten kann

Eine meiner besten Freundinnen hat den berühmten ‚grünen Daumen‘ und ich kann kaum Unkraut von Blumen unterscheiden. Gott sei Dank hat sie uns zu Hause mit Freuden besucht und mir die saisonale Gartenarbeit abgenommen. Dabei haben wir auch noch meine Mutter einbezogen und der Tag war in der Regel sehr schön und entspannend. Währenddessen konnte ich auch noch andere Sachen im Haus tun. Generell habe ich immer versucht, zwei oder gar drei Sachen miteinander zu verbinden. Je mehr ich in einem Rutsch erledigen kann, desto besser fühle ich mich und desto mehr ‚freie Zeit‘ habe ich, um mich intensiv um den Pflegebedürftigen oder mich selbst zu kümmern.   
   

  • Was kann ich delegieren?
  • Wie kann ich ‚zwei Fliegen mit einer Klappe‘ schlagen? Wie kann ich effizienter sein?

Manchmal wollte ich mehr, als ich konnte

Als ich mal wieder einen Adrenalinstoß hatte, war ich wie im Rausch und wollte mich ans Aufräumen machen, Balkon streichen etc. Doch schon als ich damit begonnen hatte, hatte sich die anfängliche Euphorie verflüchtigt und das Resultat war ein schlechtes Gewissen. Hätte ich mir die Zeit vorher genommen, um zu überlegen, ob das alles wirklich zu dem Zeitpunkt nötig war oder nicht, oder ob man es anders hätte organisieren können, wäre ich nicht in dieses Loch gefallen. Ganz wichtig ist es also zu hinterfragen, ob die geplante Tätigkeit wirklich notwendig ist oder nicht. Noch besser – kann ich jemanden bitten, es mit mir zu machen oder es gar gänzlich jemandem übertragen?

  • Ist die geplante Tätigkeit wirklich zu dem geplanten Zeitpunkt notwendig?
  • Mache ich mir damit unnötig Stress?

Nächste Woche werde ich mit Ihnen verschiedene Szenarien durchgehen, wie Sie (Arzt-)Termine am Besten mit Ihrem Schützling organisatorisch bewältigen können.

Bis nächste Woche,

Ihre Waltraud Gehrig
www.pflegenetzwerke.de