Pflege

Organisation ist das halbe Leben (Teil 2)

Archivartikel

Schon in der letzten Woche habe ich einen kleinen Überblick über das Organisieren und das Delegieren in einer Pflegesituation gegeben. Heute möchte ich auf verschiedene Situationen eingehen, die Sie am Besten beherrschen und kontrollieren, wenn Sie gut organisiert sind.

Die Erkenntnisse einer pflegenden Angehörigen - Frau G. erläutert ihre Sicht der Dinge

Ich gehe ohne ein kleines Erste-Hilfe Täschchen nicht mehr aus dem Haus. Besonders wenn ich Fahrrad fahre ist alles dabei: Verbandszeug, ein paar Kompressen und Mullbinden, Handschuhe, Rettungsdecke etc. Da Covid-19 uns ja alle derzeit beherrscht auch mehrere frische Mundschutze und Desinfektionsmittel. Vielleicht könnte man meinen, das sei übertrieben, aber auch wenn man mit seinem Schützling unterwegs ist sollte man immer die wichtigsten Dinge (u.a. auch Medikamente) dabei haben. Im Rollstuhl oder am Rollator sind diese Dinge einfach zu verstauen.

Notfallausweise und Kontaktperson!

Ebenfalls wichtig und in manchen Fällen sogar überlebenswichtig ist es, einen Notfallausweis bei sich zu tragen, besonders wenn man auf Medikamente oder Nahrungsmittel hochgradig allergisch ist. Die Kontaktdaten des zuständigen Arztes und einer Kontaktperson aus dem familiären Bereich verstehen sich eigentlich von selbst. Einen Medikamentenplan sollte man auch auf jeden Fall immer griffbereit wenigstens zu Hause haben. Sehr hilfreich ist es, wenn Sie die wichtigsten Telefonnummern von Notfallarzt, Polizei Ärzte etc. in großen Buchstaben ausdrucken und an prominenter Stelle (am Besten in der Nähe des Telefons) hinhängen. Denn glauben Sie mir, besonders wenn es zu einer kritischen Situation kommt und wenn es dabei um einen nahen Angehörigen geht, kann man selten klar denken. Dafür sind solche Hilfestellungen gedacht.

Demenzkranke und ihre Umtriebigkeit

Letztes Jahr habe ich unterwegs beim Spazieren eine an Demenz erkrankte Frau getroffen. Sie irrte offensichtlich umher und konnte sich nicht orientieren. Leider hatte sie keine Adressdaten bei sich. Es hat sich später rausgestellt (über einige Umwege), dass sie in einem Pflegeheim wohnte, dass nicht weit weg war. Gott sei Dank erinnerte sie sich an die einstige Wohnung und dort warne Nachbarn, die mir sagten, in welchem Heim sie war. Sowohl sie als auch ich waren danach ganz schön geschafft. Hätte sie wenigstens ein kleines Schild um den Hals gehabt, welches auf das Heim hingewiesen hätte, wäre uns Beiden so einiges erspart geblieben. Ich hatte auch in ihre Tasche geschaut, zu meinem großen Widerwillen, denn ich musste somit in ihre Privatsphäre und in etwas für mich sehr Intimes eindringen – und das war mir wirklich sehr unangenehm. Leider hatte sie aber keine Papiere mit Hinweisen auf ihre Identität dabei. 

Wichtige Unterlagen zu Hause deponieren

Haben Sie eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht? Oder haben Sie zu Hause ein Testament deponiert? Bewahren Sie alles an einem Platz auf. Erklären Sie Ihren Kindern, Verwandten oder vertrauenswürdigen Freunden, wo sie alles aufbewahren. Lassen Sie die Menschen nicht alles durchsuchen, wenn mal etwas passieren sollte. Es reicht in der Regel ein Ordner und dort kann alles abgelegt sein. Bei mir ist es:

  • Vorsorgevollmacht
  • Patientenverfügung
  • Vollmachten über meine Konten
  • Ein stets aktuelles Verzeichnis über alle meine Passwörter und Zugangscodes für soziale Medien, Kundenkonten u.v.m.
  • Eine ‚Regieanweisung‘ für meine Beerdigung (die möchte ich NICHT dem Zufall überlassen)
  • Und vieles, was mir persönlich noch wichtig ist.

Mein Partner weiß, wo er alles findet und somit bin ich völlig beruhigt.

Ablage wichtiger Diagnosen, Krankengeschichte etc. und Buch führen

Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, alle meine Diagnosen oder Arztbriefe, die ich erhalten habe, immer gleich zu scannen und auch elektronisch abzulegen. Das machte ich auch bei meiner Mutter. Zudem kann man ein gesondertes Heft/Buch anlegen, in dem man alles Wichtige jeden Tag notiert, so wie eine Art Tagebuch. Man kann im Nachhinein auch selbst sehen, was man schon geleistet hat und wie oft man mit dem zu Betreuenden zum Arzt ging u.v.m. Besonders, wenn die Familie sich manchmal uneins ist und mal wieder gesagt wird, dass Pflege ja nicht so viel Arbeit bedeutet und man doch eh‘ nicht viel macht, ist solch eine Aufzeichnung von Bedeutung.

Doch auch für die Steuer z.B. ist es wichtig nachvollziehen zu können, wieviel Sie gefahren sind und somit können Sie ja auch die Kilometerpauschale in Anspruch nehmen (wenn Sie z.B. amtlich eingesetzter Betreuer sind). Nachfragen beim Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein kann sinnvoll sein, wenigstens eine Beratung, dass Sie wissen, wie Sie die Pflegesituation steuerlich geltend machen können.

Nächste Woche geht’s ums Aufräumen und vorausschauendes Handeln in Bezug auf einen Wohnwechsel oder Haushaltsauflösung. Also, indirekt auch ums Aufräumen, Ordnen und Sortieren…


Bis nächste Woche,
Ihre Waltraud Gehrig

www.pflegenetzwerke.de