Politik

Islamismus Junge Frau folgt Mutter aus Mannheim in den Irak und wird als IS-Kämpferin verurteilt

20 Jahre Haft für Nadia K.

Bagdad/Mannheim.Sie reiste mit ihrer in Mannheim lebenden Mutter erst nach Syrien, dann in den Irak – dorthin, wo die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ihr „Kalifat“ aufgebaut hatte. Jetzt ist Nadia K., die inzwischen 22 Jahre alt sein soll, wegen IS-Zugehörigkeit im Irak zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Für die junge Frau bedeutet das 20 Jahre Gefängnis, bei guter Führung ist eine Entlassung nach 15 Jahren möglich. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Fall von Nadia K. sei bekannt, sie werde im Irak konsularisch betreut, hieß es gestern aus dem Auswärtigen Amt. Ob sich die Bundesregierung um eine Auslieferung bemüht, blieb offen.

Die junge Frau war im Juli 2017 gemeinsam mit ihrer Mutter Lamia K. und zwei weiteren deutschen Frauen in Mossul festgenommen worden. Lamia K. wurde im Januar 2018 wegen ihrer Mitgliedschaft beim IS von einem irakischen Gericht zunächst zum Tode verurteilt, inzwischen ist die Strafe in lebenslänglich umgewandelt. Nadia K. wiederum kam zunächst mit einer einjährigen Haftstrafe wegen illegaler Einreise davon. Nun ist sie doch wegen Zugehörigkeit zum IS verurteilt worden.

Die Deutsch-Marokkanerin Lamia K. hatte früher einige Zeit im Mannheimer Stadtteil Jungbusch gelebt. Sie war mit einem Deutschen verheiratet, lebte aber getrennt. Früheren Angaben nach soll sich die studierte Germanistin in Mannheim zunächst offen und kontaktfreudig gezeigt, sich dann aber zunehmend zurückgezogen haben. Das Bundesamt für Verfassungsschutz war schließlich 2010 auf die Deutsch-Marokkanerin aufmerksam geworden, weil sie im Internet auf dschihadistischen Seiten unterwegs war.

Dort habe sie mehrfach den Wunsch geäußert, sich in Syrien dem IS anzuschließen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurde Lamia K. noch Anfang Juni 2014 vom Verfassungsschutz zu ihren Internetaktivitäten befragt. Kurz darauf reiste sie nach Syrien – und nahm neben Nadia K. noch eine weitere Tochter mit. Beide sollen später mit IS-Kämpfern verheiratet worden sein. Nadia K. hat inzwischen selbst ein Kind. (mit dpa)