Politik

Seenotrettung „Alan Kurdi“ nimmt erneut Flüchtlinge an Bord / Europäische Kommission fordert vorläufige Verteilung

34 Migranten aufgegriffen

Athen/Rom/Brüssel.Vor der griechischen Hafenstadt Alexandroupolis hat die griechische Küstenwache am Dienstag 34 Migranten aufgegriffen. Sie waren von der nur wenige Kilometer entfernten türkischen Küste gestartet und von der Besatzung eines Rettungsbootes vor dem Hafen der Stadt entdeckt worden, teilte die Küstenwache mit. Vor der Insel Lesbos übernahm ein Patrouillenboot der Europäischen Grenzschutzagentur (Frontex) 47 Migranten. Zudem wurde ein mutmaßlicher Schleuser festgenommen, teilte die Küstenwache mit.

Die Route aus der Türkei nach Alexandroupolis wird zunehmend von Migranten genutzt. Sie gilt als weniger gefährlich als die Überquerung der Meeresengen zwischen der türkischen Küste und den griechischen Inseln in der Ostägäis.

Währenddessen ist das Schiff „Alan Kurdi“ vor Libyen wieder im Einsatz. Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye hat 44 Migranten an ein maltesisches Marineschiff übergeben. Das sagte die Sprecherin der Organisation, Carlotta Weibl, am Dienstag. Die Hilfsorganisation aus Regensburg hatte die Menschen am Montag südlich der italienischen Insel Lampedusa gerettet und an Bord ihres Schiffs „Alan Kurdi“ genommen. Anschließend sei Sea-Eye von den maltesischen Behörden mitgeteilt worden, dass die Menschen abgeholt würden – was sich aber noch eine Weile hingezogen hatte. Erst am Sonntag hatte sich Malta bereiterklärt, 65 von Sea-Eye gerettete Migranten an Land zu lassen.

Alternative zu Dublin-Abkommen

Um schnelle Lösungen für den Umgang mit geretteten Bootsflüchtlingen zu finden, fordert die EU-Kommission einen vorläufigen Mechanismus zur Verteilung der Menschen auf die Mitgliedstaaten.

„Bis die neuen reformierten Regeln zur Verteilung von Flüchtlingen nach dem sogenannten Dublin-System Realität werden, fordere ich alle EU-Mitgliedsländer auf, ihre Arbeit zu beschleunigen und vorläufige Vereinbarungen zu finden, wie mit den Menschen umzugehen ist, wenn sie die Rettungsschiffe verlassen haben“, sagte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos der „Welt“. Er hoffe darauf, dass die EU-Innenminister hier beim ersten Treffen unter der neuen finnischen Ratspräsidentschaft kommende Woche vorankommen.

Gemäß der Dublin-Regeln ist derjenige EU-Staat für Migranten zuständig, den diese zuerst erreichen. Aufgrund der geografischen Lage sind das meistens Mittelmeeranrainer wie Italien, Griechenland und Malta. Ausnahmen gibt es, wenn ein Asylbewerber Verwandte oder andere Bezugspunkte in einem anderen EU-Land hat. dpa