Politik

Sekten Entschädigung im Fall „Colonia Dignidad“

3,5 Millionen an Opfer

Berlin.Opfer der früheren deutschen Sektensiedlung „Colonia Dignidad“ in Chile sollen erstmals finanzielle Unterstützung bekommen. Bis zu 10 000 Euro pro Person seien vorgesehen, teilte Staatssekretär Niels Annen am Freitag in Berlin mit. Dabei seien rechtskräftig verurteilte Straftäter sowie herausgehobene Führungspersonen von den Hilfen ausgeschlossen.

Das Konzept wurde von einer gemeinsamen Kommission aus Bundestag und Bundesregierung ausgearbeitet. Insgesamt gehe man von einem Hilfsvolumen von rund 3,5 Millionen Euro bis 2024 aus. Im Bundeshaushalt für 2019 war bereits im November auf Druck von Abgeordneten eine Million Euro unter anderem für mögliche Hilfszahlungen eingeplant. Ab dem Haushalt 2020 müssten zusätzlich 2,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

Die „Colonia Dignidad“ war 1961 rund 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile von deutschen Auswanderern aus Siegburg bei Bonn gegründet worden. In der Kolonie kam es unter dem 2010 gestorbenen Sektenführer Paul Schäfer jahrzehntelang zu Folter, Zwangsarbeit und Kindesmissbrauch. Nach Angaben der Kommission leben noch rund 240 ehemalige Mitglieder der Sekte, davon 80 in Deutschland. dpa