Politik

Überhebliche Einmischung

Für Premierministerin Theresa May begann diese Woche bereits katastrophal, als mehrere Minister aus Protest gegen ihren Brexit-Kurs zurücktraten. Und so endet sie nun auch. US-Präsident Donald Trump hat mit seinem Besuch die schlimmsten Befürchtungen in Downing Street übertroffen, beleidigte und demütigte zu Beginn seines Besuchs in einem Interview sowohl die britische Regierungschefin als auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan auf beispiellose Weise. Auch wenn er gestern zurückruderte und seine eigene Aussagen als Fake News bezeichnete.

Der US-Präsident agiert überheblich und bevormundend, wieder einmal. Dass er sich so offen in die britische Politik einmischt und – schlimmer noch – May gönnerhaft gesagt haben will, wie sie den EU-Austritt durchführen sollte, zeigt abermals sein übersteigertes Ego und den Mangel an Respekt für Frauen. Die Premierministerin habe nicht auf ihn gehört, meinte der Brexit-Fan noch, und allein diese Aussage verstört. Warum sollte sie? Man mag vom Brexit halten, was man will. Ihn umzusetzen ist die Aufgabe der britischen Regierung und die Einmischung des US-Präsidenten völlig inakzeptabel.

Sind seine Worte lediglich Ausdruck schlechter Manieren oder attackiert er absichtlich jene weiblichen Regierungschefinnen, die innenpolitisch derzeit angeschlagen dastehen, um Europa zu schwächen? Erst knüpfte er sich Angela Merkel vor, nun traf es May. Monatelang wurde dieser Besuch vorbereitet, größtmögliche Rücksicht auf die Befindlichkeiten des dünnhäutigen US-Präsidenten genommen. Und nun zerstört Trump alle Hoffnung darauf, dass die ,,special relationship“, auf die die Briten seit Winston Churchills Tagen so stolz sind, nach dem EU-Austritt zu einem guten bilateralen Handelsabkommen führen wird.

Von einer besonderen Beziehung kann keine Rede mehr sein. So geht man nicht mit engen Verbündeten und schon gar nicht mit Freunden um. Der Eklat verdeutlicht nur die Geringschätzung Trumps gegenüber historisch gewachsenen Partnerschaften und Politikern, die nicht seiner Meinung sind. Überrascht uns das noch? Hoffentlich. Sein undiplomatisches, sein unverschämtes Verhalten sollte weiterhin aufschrecken. Schlimm wäre, wenn sich Europa ohne Gegenwehr daran gewöhnen würde.