Politik

USA Präsident Donald Trump verliert eine treue Wegbegleiterin / Beraterin Kellyanne Conway gibt überraschend Rücktritt bekannt

Abgang der Superlative

Archivartikel

Washington.Der Rücktritt kam so überraschend, wie der Zeitpunkt für den Präsidenten unglücklich ist. Trumps Weggefährtin, die jede Säuberung und Unruhe im Weißen Haus unversehrt überstand, schmiss am Vorabend des Krönungsparteitags in Charlotte. „Das ist vollkommen meine Entscheidung und meine Stimme“, erklärte Kellyanne Conway, die sich als treue Verteidigerin Trumps einen Namen machte.

Als Grund nannte die vierfache Mutter die Konsequenzen der Corona-Pandemie, die ihre Familie vor Herausforderungen stellte. „Wie Millionen Eltern im ganzen Land wissen, brauchen Kinder, die zu Hause ,zur Schule gehen’, ein Maß an Aufmerksamkeit und Wachsamkeit, das genauso ungewohnt ist wie diese Zeiten“, teilte Conway mit, nachdem sie den Präsidenten über die Entscheidung informiert hatte. Tochter Claudia gab in Postings auf Twitter und Tiktok Hinweise auf Verwerfungen im Hause Conway.

„Der Job meiner Mutter hat mein Leben zerstört“, schreibt die 15-Jährige zu Beginn einer Serie von Beiträgen, in denen sie „Phase Eins“ ihrer Emanzipation von den Eltern erklärt. „Es bricht mir das Herz, dass sie weiter diesen Weg geht, nachdem sie ihre Kinder jahrelang hat leiden sehen. Selbstsüchtig. Es geht nur um Geld und Ruhm.“ An anderer Stelle behauptet sie, sie sei ihr „ganzes Leben körperlich und verbal misshandelt“ worden und habe sich darüber bereits mit Anwälten unterhalten. Beide Elternteile hätten sie „fertiggemacht“ und ihr auch körperlichen Schaden zugefügt.

Gewiss ging es im Haus der Conways nicht nur am zurückliegenden Wochenende hoch her. Kellyanne und ihr Ehemann George Conway könnten politisch nicht verschiedener sein. Der in Washington gut vernetzte Anwalt ist ein Republikaner der alten Schule und gehört zu einem der schärfsten Kritiker des Präsidenten. Er hat öffentlich infrage gestellt, ob Trump mental der Aufgabe im Weißen Haus gewachsen ist. Seine scharfen Meinungsbeiträge in der „Washington Post“ dürften den Streit am Frühstückstisch gewiss angefeuert haben.

Beobachter wunderten sich seit Langem über das ungleiche Paar, in dessen Beziehung sich Trump regelmäßig einmischte. Der Präsident nannte den Gatten seiner Chefberaterin wahlweise einen „eiskalten Verlierer“ oder einen „Ehemann aus der Hölle“. Die Demoskopin mit juristischem Hintergrund räumte am Sonntag ein, mit ihrem Mann „über vieles nicht einig“ zu sein. „Wir sind aber auf einer Linie bei dem, was am wichtigsten ist: den Kindern“. Dazu gehört wohl auch, dass im Hause Conway die Eltern die Dinge unter sich ausmachen. In einem Live-Video auf ihrem Tiktok-Konto „datjerseygirl“ beschwert sich Tochter Claudia darüber, nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen worden zu sein. Dieser Klage darf sich der Präsident anschließen.

Weniger Zustimmung

Ein Minus von neun Prozent im Schnitt aller Umfragen, bereitet ihm der plötzliche Ausstieg seiner Chefberaterin zum Auftakt des Krönungsparteitags in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina Probleme. Er verliert mit Conway, die ihre Zeit im Weißen Haus in der Rücktrittserklärung als „berauschend“ und „bewegend“ bezeichnete, seine vielleicht loyalste Wegbegleiterin. Sie gilt zusammen mit Steve Bannon als Architektin der rechtspopulistischen Strategie, die Trump 2016 zum Wahlsieg und überraschenden Einzug ins Weiße Haus verhalf.

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