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Abgemeldet

Archivartikel

Das Familienbild beim G-20-Gipfel hat Bände gesprochen: Angela Merkel stand ganz außen am Rand. Abgemeldet oder auf maximale Distanz zu den Herren in der Mitte gehend, so oder so lässt sich das Foto interpretieren. Herausgekommen ist bei diesem Treffen der Staatenlenker nicht viel – beim Klimaschutz einigte man sich mit Mühe auf einen faulen Kompromiss; die Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China ist zwar abgewendet. Doch die Auseinandersetzung kann jederzeit neu aufflammen.

Schaut man aus deutscher Sicht auf den Gipfel, ist eine Erkenntnis diese: Die Welt hat sich seit dem Treffen vor zwei Jahren in Hamburg mit Angela Merkel als Gastgeberin noch einmal verändert, oder um es so zu sagen: Sie ist inzwischen völlig anders geworden, als die deutsche Kanzlerin sie gerne hätte. Merkel mühte sich in Osaka zwar nach Leibeskräften, ihre Vorstellungen von Multilateralismus und internationaler Kooperation am Leben zu erhalten. Doch im Konzert der Egoisten spielt sie damit nur noch eine zweite Geige. Auch wenn die Trumps und Putins sich gerne mit ihr sehen lassen und sie umgarnen, weil sie weltweit hohes Ansehen für ihre Standhaftigkeit genießt, der reale Einfluss Merkels ist mittlerweile begrenzt. Alle wissen, dass die Amtszeit der Kanzlerin bald endet.

Dennoch zeigt sie sich unbeugsam, weil sie die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, ein Stück der alten und besseren Weltordnung bewahren zu können. Respekt dafür. Das Vakuum wird groß sein, das Merkel auf internationaler Bühne nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt hinterlassen wird.

Was außenpolitisch gilt, könnte sich auch innenpolitisch abzeichnen. Noch hat man den Eindruck, die Regierungschefin hat daheim die Fäden weitgehend in der Hand. Sie lässt sich nicht beirren, bis zum Ende der Legislaturperiode tatsächlich Kanzlerin zu bleiben.

Doch wie lange geht das gut? Der Druck aus den eigenen Reihen wird hörbar größer, die Sorge ist da, dass die Chancen der Union auf den Machterhalt durch die Kämpfe im Hintergrund verspielt werden könnten, wenn Merkel nicht bald personell neue Weichen stellt.