Politik

Abstimmung Saaldiener reinigt Redepult mit Desinfektionsmitteln / Viele Stühle bleiben leer

Abgeordnete gehen auf Distanz

Berlin.Der Bundestag tagt unter außergewöhnlichen Umständen im Krisenmodus, per Eilverfahren werden die Rettungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Beim Abstimmen wird außerhalb des Plenums auf Distanz der Wahlurnen und damit auf möglichst wenige Begegnungen geachtet. Corona-Fälle gab es schließlich auch schon unter den Abgeordneten. Deswegen ist zusätzliche Vorsicht geboten.

Am frühen Morgen ist es fast gespenstisch leer auf den vielen Fluren der Parlamentsgebäude, nicht alle Abgeordneten wurden herbeizitiert. Mitarbeiter machen Homeoffice, der Publikumsverkehr ist ausgesetzt. Die großen Kantinen bleiben entweder geschlossen oder öffnen nur kurz mit eingeschränktem Angebot. Im Plenarsaal liegt auf vielen blauen Stühlen ein Zettel: „Bitte frei lassen.“ Ein Abgeordneter, zwei freie Plätze, so die Regel, an die sich aber nicht alle halten. Die Schriftführer hat man an Extra-Tische neben den Stenografen gesetzt, an der Seite von Parlamentspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) bleibt es daher leer. Als ein Abgeordneter auf ihn zukommt, streckt Schäuble den Arm aus: „Abstand!“

Neun der 15 Minister sind anwesend, auch sie lassen Sitze neben sich leer. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach einem Corona-Verdacht immer noch in häuslicher Quarantäne, sie verfolgt die Debatte von daheim. Immer, wenn ein Redner endet, kommt ein Saaldiener mit weißen Handschuhen und säubert mit einem Desinfektionstuch das Pult. Das hat es so noch nie gegeben. Das Gebot der Stunde lautet: einen Bogen um andere machen, nur keinen Handschlag.

Kuss in die Luft

Vize-Präsident Thomas Oppermann (SPD) winkt Abgeordneten lediglich zu. Die Grüne Claudia Roth gibt zur Begrüßung den ein oder anderen Kuss in die Luft; Außenminister Heiko Maas steht demonstrativ weit entfernt von Finanzminister Olaf Scholz (beide SPD), als er mit ihm plaudert. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) streift zwar mit der Hand über die Stuhllehnen der Regierungsbank, bis er seinen Platz gefunden hat; bei seinen Interviews geht der Minister dann aber auch auf Distanz.

Es gibt Unvorsichtige und Vorsichtige an diesem Tag: Die AfD-Abgeordneten gehören zu den Unvorsichtigen. Einige von ihnen stehen schon vor der Debatte um die milliardenschweren Hilfspakete der Regierung und das Aussetzen der Schuldenbremse nah beieinander, Mindestabstand: Fehlanzeige.

Besonders vorsichtig ist die Linke Katja Kipping: Sie trägt einen Schal vor dem Mund. Masken sieht man bei den Parlamentariern nicht. Dafür aber bei den Kameraleuten oben auf der arg ausgedünnten Medientribüne. „Dass man sich nicht mehr berühren darf, eigentlich geht das gar nicht“, sagt am Ende der Aussprache ein Abgeordneter frustriert. Ist im Moment aber so. Auch im Bundestag.

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