Politik

Adenauer, Schmid, Nadig: Die Mütter und Väter des Grundgesetzes

«Heute, am 23. Mai 1949, beginnt ein neuer Abschnitt in der wechselvollen Geschichte unseres Volkes.» Mit diesen Worten verkündete Konrad Adenauer vor 70 Jahren als Präsident des Parlamentarischen Rats das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Ursprünglich nur als Übergangsgesetz geplant, gilt es bis heute als Fundament der deutschen Demokratie.

Berlin.In Auftrag gegeben wurde es von den Westalliierten nach dem Zweiten Weltkrieg. Adenauers Aufgabe bestand bei den Beratungen vor allem darin, die Plenarsitzungen zu leiten. Sein Vorsitz im Parlamentarischen Rat bereitete ihm wenig später den Weg zum ersten gewählten Bundeskanzler. Er sollte das Amt 14 Jahre lang bekleiden. Am 19. April 1967 starb er im Alter von 91 Jahren.

Einen wesentlichen Teil zur Verfassung trug auch der Vorsitzende der SPD-Fraktion und spätere Bundestagsvizepräsident Carlo Schmid bei. Als Vorsitzender des Hauptausschusses setzte er sich unter anderem dafür ein, dass die Grundrechte ganz am Anfang der Verfassung stehen sollten. Darüber hinaus schuf er das konstruktive Misstrauensvotum, das Asylrecht sowie das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Außerdem setzte er sich für die Abschaffung der Todesstrafe ein.

Dem Parlamentarischen Rat gehörten neben 61 Männern gerade mal 4 Frauen an. Frieda Nadig (SPD), Elisabeth Selbert (SPD), Helene Weber (CDU) und Helene Wessel (Zentrumspartei) gelten heute als «Mütter des Grundgesetzes». Ohne sie gäbe es die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung von Männern und Frauen nicht. Eine besonders von Weber und Nadig geforderte, verfassungsrechtlich verankerte Lohngleichheit von Frauen und Männern wurde damals jedoch von der Mehrheit des Rates abgelehnt.